Sehen
Erinnerungen an meine mißglückte Schauspielkarriere
Schon als Kind hatte ich immer das Gefühl,
zu Höherem berufen zu sein.
Rockstar oder eine andere exponierte Person.
Ein Wissenschaftler,
der durch Talkshows tingelt –
das konnte ich mir alles vorstellen.
Von daher nahm es nicht wunder,
dass ich sofort wollte,
als in der Schule Talentscouts kamen.
Talentscouts von der DEFA,
die einen neuen Film planten.
Man sagte mir, dass man genau jemanden wie mich suche.
Der Film hieß „Bockshorn",
nach dem Buch eines italienischen Autors,
und ich solle mal meine Daten dalassen.
Ich würde dann eine Benachrichtigung bekommen,
wenn man mich einlädt.
Ich habe mir dann sofort das Buch
in der Bibliothek ausgeliehen
und durchgelesen
und war natürlich felsenfest davon überzeugt,
dass ich die ideale Besetzung bin
für die Übernahme der Hauptrolle.
Ich bekam dann auch einige Zeit später
ein Telegramm.
Der Regisseur, oder derjenige, der dafür verantwortlich war –
aber ich glaube, es war der Regisseur –,
hatte alle Kinder eingeladen.
Wir waren so im Alter von dreizehn,
vierzehn, schätze ich mal.
Wir sollten dann irgendwelche Szenen spielen
oder vorstellen,
bestimmte Sachen machen.
Nun, ich fiel überhaupt nicht auf.
Ich war dann doch schon traurig,
dass ich nicht in die engere Wahl fiel –
meiner Meinung nach eine völlige Fehlentscheidung des Regisseurs.
Ich verfluchte mich,
dass ich das Buch gelesen hatte,
mir die Zeit genommen hatte.
Und erst recht verfluchte ich diesen Film,
als ich dann einige Zeit später erfuhr,
dass die Aufnahmen zu dem Film begonnen hatten,
unter anderem auch in der Bundesrepublik
und den USA und Kuba.
Ich hätte diese Orte gerne besucht,
aber nun, es sollte nicht sein.
Einige Zeit später,
vielleicht ein oder zwei Jahre danach,
war auf dem Alexanderplatz
der übliche Basar der Journalisten,
das war immer Ende August.
Dort gab es auch ein kleines mobiles Studio,
wo man sich hinsetzen konnte
und dann wurde man gefilmt.
Man konnte seine Eignung als Moderator
unter Beweis stellen,
also auch als Kind oder Teenager.
Das habe ich auch gemacht,
und ich bekam wieder eine Einladung nach Adlershof,
wo ich dann mit mehreren Kindern da saß
und wir sollten auch Texte sprechen et cetera.
Ich bin der Meinung,
ich habe es sehr gut gemacht,
weil ich mich abgehoben habe
von den anderen.
Allein, ich rauschte wieder durch.
Und damit war auch eine Karriereplanung im Osten beendet.
Denn ein paar Jahre später kam ich zur Armee,
und dann war auch schon die Wende,
und damit wurden die Karten komplett neu gemischt.