Sehen
Erinnerungen an meinen ersten Computer
Solange ich denken kann,
habe ich mich für Computer interessiert.
Das ist natürlich etwas,
was aus meiner Leidenschaft für Science-Fiction-Literatur stammt,
die ich ja in meiner Kinderbibliothek zu entdecken begann.
Und es war im Osten aber so,
dass man halt an Computer nicht so einfach herankam.
Von daher war die erste Digitaluhr
so ein erstes Wetterleuchten von Computerei.
Und ich verschlang jede Zeitung,
wo geschrieben stand,
dass es auch in der DDR bald Heimcomputer geben sollte,
die allerdings immer nur angekündigt waren
und man keinerlei Chance hatte,
die irgendwie zu erwerben.
Ich weiß dann, dass ein Freund einen ZX81 hatte.
Das war einer, der auch im Astronomischen Jugendclub war.
Und ich habe dann einmal über Telefon,
das war zu einem Zeitpunkt,
als ich schon dann in der Lehre war
und Programmieren gelernt hatte,
hatte ich ihm dann sozusagen ein Programm diktiert
über das Telefon.
Ich glaube, es hat sogar funktioniert,
aber ich kann gar nicht mehr sagen,
was das gewesen ist.
Ich kann nur noch sagen,
dass ich es als solches getan habe.
Nach der Wende dann
gab es endlich für mich die Möglichkeit,
einen Computer zu erwerben.
Und das war so, dass ich dann,
als ich meine erste Firma gegründet hatte
und das erste Geld reinkam
und ich wusste,
so, jetzt habe ich die Chance,
mir einen Computer zu kaufen
und es auch eben ganz normal zu tun,
weil ich das Ganze ja als Betriebsausgabe abrechnen konnte.
Und damals war Vobis
einer der wichtigen Computerhändler
und ich bin dann in den Westen gefahren,
weil es im Osten zu diesem Zeitpunkt
noch gar keine Computerläden gab.
Und ich glaube, es war am Kudamm,
wo es dann einen großen Vobis-Store gab
und ich habe dann überlegt,
welchen Computer ich mir leisten kann.
Und ich habe mich dann für einen 286er Computer
mit schwarz-weiß Monitor
und Nadeldrucker entschieden,
weil ich brauchte ja auch tatsächlich etwas
mit einem Drucker.
Es gab auch 386er und 486er
mit Farbmonitor,
aber das waren dann Preise,
die ich persönlich fast zu unanständig hoch fand.
Immerhin für meinen 286er
musste ich auch 2000 D-Mark insgesamt bezahlen.
Und das war eine Menge Geld.
Und ich war dann überglücklich,
als ich zu Hause war
und alles auspacken und aufbauen konnte.
Es war als Betriebssystem DR-DOS,
daran erinnere ich mich noch.
Ein paar Befehle kannte ich ja aus meiner Lehrzeit.
Dort hatten wir auch DOS gefahren,
allerdings halt für einen Großrechner.
Aber ich merkte halt,
dass es da doch gewisse Überschneidungen gab.
Und dann habe ich die ersten Briefe und Rechnungen
auf dem Computer geschrieben
und die ersten Computerspiele.
Ich kann mich noch daran erinnern,
dass ich von einem Kumpel dann Blockout bekam,
also dieses Spiel,
was so Tetris-mäßig ist,
aber halt dreidimensional.
Man guckte dann von oben herunter
auf den Schacht
und ich weiß noch,
dass ich bis zur Besinnungslosigkeit
dieses Spiel gespielt habe.
Und da merkte ich auch,
dass ich computerspiel-süchtig bin,
bis ich dann halt das Programm wirklich gelöscht habe,
um nicht in den Sog zu kommen,
die Zeit mit solchen Kinkerlitzen zu vergeuden.