Sehen
Erinnerungen an Natascha
Natascha lernte ich
auf dem Zeltplatz kennen.
Das war übrigens eine Truppe
aus verschiedenen Städten,
die sich regelmäßig zum Zelten traf,
von daher lief mir Natascha
immer wieder über den Weg.
Natascha war zwei Jahre jünger als ich,
aber zum damaligen Zeitpunkt
schon sehr an Männern interessiert.
Sie sah auch sehr gut aus
und flirtete gerne herum,
auch gerne mit älteren Männern.
So hing sie zum Beispiel manchmal
in den Armen von Hagen,
der wiederum selbst verheiratet war.
Ich glaube, sie versuchte,
mich eifersüchtig zu machen,
und es gelang ihr natürlich auch.
Aber ich sah ihn nie
als Konkurrenten an,
weil er ja verheiratet war.
Ich konnte mir damals noch nicht vorstellen,
dass verheiratete Männer
gnadenlos fremdgehen.
So weit war meine Vorstellungswelt
noch nicht gediehen
als Teenager,
der gerade volljährig geworden war.
Ich habe mit ihr heftigst herumgeknutscht,
das ging,
beziehungsweise wir haben viel Petting betrieben,
auch gerne in Anwesenheit anderer Personen.
Das heißt, wir saßen am Lagerfeuer,
hatten irgendwelche Decken um uns,
mit denen wir uns eingehüllt hatten,
und wir haben da mit den Händen
das eine oder andere getan.
Ich weiß nicht, ob die anderen etwas bemerkt haben,
wenn man sich unterhalten hat,
dass man nebenbei der Dame,
die neben einem sitzt,
mit dem Finger in der Möse rumspielt.
Aber es ist mit ihr leider nie
zum Äußersten gekommen.
Ich weiß nicht, woran es lag –
ob es an ihrer Seite war,
dass sie sich zurückgezogen hat,
oder ob es an meiner Seite lag,
dass ich einfach nur offensiver darauf
hätte drängen müssen.
Ich kann es wirklich nicht sagen.
Ich bedauere es, wenngleich ich auch immer wieder gerne
an sie zurückdenke.
Bei einem anderen Treffen,
weiß ich noch,
trafen wir uns dann in der Diskothek wieder,
die zeitgleich zum Campen stattfand.
Es war eine wunderbare Stimmung.
Der DJ legte Platten der Siebziger auf,
Sweet und Smokie.
Das war Ende der Achtziger,
und da fing gerade so das Revival
der Siebziger- und Sechziger-Jahre-Bands
wieder an.
Ich weiß noch, dass ich mich mit ihr
die Seele aus dem Leib getanzt habe.
Sie roch nach Schweiß,
und dieser Schweiß war so verführerisch,
dass ich wirklich verknallt in sie war.
Aber auch da, wie gesagt,
kam es nicht zum Äußersten.
Ich weiß dann aber,
dass ich einmal bei einer anderen Veranstaltung
mit einer anderen Dame aus der Stadt
dort auftauchte,
mit der ich heftig rumknutschte.
Da war Natascha plötzlich hocheifersüchtig.
Ich ließ sie aber links stehen –
sie hatte mich ja nicht rangelassen.
In diesem Augenblick bemerkte ich
die Macht der Eifersucht,
wie stark das wirken kann
und wie stark auch Frauen darauf anspringen.
Ich glaube, es war sogar das letzte Mal,
dass sie mir über den Weg gelaufen ist.
Ich habe sie jetzt mindestens
seit mehreren Jahrzehnten
nicht mehr gesehen.
Ich höre, dass sie Schmuckdesignerin geworden ist,
was ich mir gut vorstellen kann,
weil sie dafür ein Händchen hatte,
was Mode betraf.
Ich würde sie gerne einmal wiedersehen
und wissen,
was aus ihr geworden ist.
Aber leider weiß ich nicht,
ob sie verheiratet ist
oder wo sie abgeblieben ist.
Jedenfalls ist sie aus meinem Leben verschwunden.