Sehen
Erinnerungen an nicht erstellte Fotografien
Von meiner Großmutter
habe ich ja zweimal
einen Fotoapparat
geschenkt bekommen.
Der erste war ja wie gesagt
ein Komplettausfall,
aber der zweite war einer,
mit dem man doch halbwegs
anständige Fotos machen konnte.
Ich habe mir übrigens
noch einen dritten mal gekauft,
second hand.
Das war Ende der 90er,
damit ich vom Monitor dann
Bilder abfotografieren konnte.
Die Möglichkeit sozusagen daraus
Dias zu machen,
hatte ich auf andere Art und Weise
noch nicht.
Die digitale Fotografie steckte
zu dem Zeitpunkt noch komplett
in den Kinderschuhen
und ich habe mir dann erst,
ich glaube 2001 oder 2002,
den ersten digitalen Fotoapparat
von Olympus gekauft,
der gar nicht mal so schlechte Fotos machte.
Ich war erstaunt.
Aber insgesamt bin ich trotzdem traurig darüber,
wenn man sieht,
wie viele Fotos man heute
mit seinem Smartphone macht,
dass ich mit den Fotoapparaten
nicht mehr den Wandel von Berlin
dokumentiert habe.
Ich glaube, das wäre wirklich hochinteressant,
wenn ich die Architektur
und die Läden eingefangen hätte.
So muss ich nur auf das zurückgreifen,
was normale Fotografen gemacht haben,
wenn sie dann einen Fotoband mal veröffentlichen
über Berlin.
Aber das ist auch relativ bescheiden
und dann sind auch meistens nicht die Motive drauf,
die einen selbst interessieren würden.
Zum Beispiel auf der Karl-Marx-Allee
oder davor oder danach.
Welche Läden wann wie waren,
also was es zu Ostzeiten gab,
was es dann in den 90er Jahren da drin gab.
Es hat sich so viel gewandelt.
Auch im Prenzlauer Berg zum Beispiel.
Die Szenecafés aus den 90er Jahren
sind so gut wie überhaupt nicht mehr vorhanden.
Ja, da gab es eine zweite,
eine dritte Welle
und davon ist jedenfalls für mich
wenig dokumentiert.
Bestimmt haben andere Leute da auch noch was,
aber sowas wird ja kaum irgendwie hochgeladen
oder jedenfalls wüsste ich nicht,
dass die Leute ihre privaten Fotos teilen,
die sie so vor 30, 40 Jahren aufgenommen haben.
Wie gesagt, von heute ist alles bestens dokumentiert,
aber in der Vergangenheit gibt es riesige Lücken
und vor allen Dingen auch die Zeit davor,
wenn ich dann manchmal Bilder sehe,
wie Berlin mal ausgesehen hat,
mir kommen die Tränen.
Und wie gesagt, ich hätte mein eigenes Umfeld fotografieren können,
ich hatte die Möglichkeiten dazu,
aber man ist als Jugendlicher
oder als junger Mann
noch überhaupt gar nicht dafür empfänglich,
so etwas zu dokumentieren.
Zeit ist zu diesem Zeitpunkt für einen
noch etwas vollkommen Abstraktes,
jedenfalls was die Vergänglichkeit betrifft.
Und man kann sich nicht vorstellen,
dass irgendwann mal einfach alles anders ist.
Ja, Vorrecht und Fluch der Jugend.