Sehen
Erinnerungen an Pornos
Neben den erotischen Romanen
im Nachtschrank meines Vaters,
die ich dort entdeckt hatte,
gab es natürlich noch andere Begegnungen
mit erotischen oder pornografischen Dingen.
Da fiel mir zum Beispiel
das Pornoheft eines Schulkameraden
in die Hände,
der es scheinbar von seinem Vater
geklaut hatte.
Anders kann ich es mir nicht erklären.
Wir haben es dann gemeinsam
in einem Hausflur angeschaut,
wo wir uns auf den Fußboden gesetzt hatten
und dort zusammen
das Heftchen durchblätterten.
Ich kann mich noch daran erinnern,
dass eine Frau
mit einem Einbrecher
in diesem Magazin Sex hatte.
Dann kam der Ehemann nach Hause,
eine scheinbar biedere Person,
und wurde von dem Einbrecher gezwungen,
sich an dem sexuellen Spiel zu beteiligen.
Dann gab es also einen Dreier.
Es war für mich sensationell,
wenngleich ich keine erotische Erregung verspürte
zu diesem Zeitpunkt.
Ich denke mal, ich werde dafür noch zu jung gewesen sein.
Aber es war natürlich unerhört,
weil man wusste,
es ist etwas Verbotenes.
Ein paar Jahre später
hatten wir dann entdeckt,
dass jemand,
der auch wahrscheinlich seinem Vater
einen Kugelschreiber geklaut hatte –
und in diesem Kugelschreiber
waren zwei oder drei pornografische Bildchen versteckt,
die man nur sah,
wenn man durch das eine Ende
des Kugelschreibers hindurchblickte.
Ich vermute mal, das wird auch so ein Beate-Uhse-Gimmick gewesen sein.
Wir haben es diesem Knirps abgenommen,
böse wie wir waren.
Wir waren etwas älter.
Ich glaube, er wird zu Hause ordentlich Ärger bekommen haben.
Vielleicht auch nicht.
Vielleicht hat er es dem Vater verheimlichen können.
Jedenfalls war das in der Schulzeit
die Konfrontation mit Pornografie.
Und dann etwas später,
in der Vorwendezeit,
da hatte ein Freund ein Videogerät bekommen,
das aber mit einer Videoplatte funktionierte.
Die sah aus wie eine Schallplatte,
ich glaube rötlich,
ein bisschen durchschimmernd.
Auf dieser Videoplatte
waren Videofilme kodiert –
ein System,
das sich nicht durchgesetzt hatte,
aber die Pornoindustrie hatte drauf gesetzt.
Er besaß also einen Pornofilm
auf diesem schallplattenähnlichen Teil,
und da habe ich dann zum allerersten Mal wirklich
einen Pornofilm gesehen.
Da war ich natürlich schon volljährig,
hatte aber noch nicht sehr viele Erfahrungen
mit Frauen gemacht,
ein bisschen schon.
Das hat mich natürlich
in höchste sexuelle Erregung versetzt,
und ich kann mich noch daran erinnern,
wie ich rote Ohren bekommen habe
und diesen Film verschlungen habe.
Heute, naja, würde ich wahrscheinlich drüber lächeln.
Ich find's auch ein bisschen schade,
dass man erotischen Darstellungen gegenüber
schon etwas abgebrüht geworden ist.