Sehen
Erinnerungen an Roulette-Systeme
Ich war ja davon überzeugt,
jedenfalls eine Zeit lang,
dass ich mit Roulette-Spielen
meinen Lebensunterhalt bestreiten könnte.
Jedenfalls hatte ich es versucht
und kam ich natürlich an den Punkt,
dass ich wie ein begossener Pudel
aus dem Spielcasino ging,
weil ich gerade Geld verloren hatte.
Da ich aber niemand bin,
der so einfach die Flinte ins Korn wirft,
der aber andererseits auch nicht blindwütig versucht,
das Glück zu erzwingen,
überlegte ich,
was ich da machen könnte.
Ich hatte bemerkt, dass es eine Zeitschrift gab,
die im Spielcasino vertrieben wurde,
die sich mit dem Roulette-Spiel beschäftigte
und ich kaufte mir daraufhin ein Exemplar,
das alle Vierteljahre herauskam
und sieben D-Mark kostete.
Darin gab es Berichte über Spielbanken
und auch über Systeme
und der Herausgeber dieses Roulette-Magazins
hatte auch einen eigenen Verlag,
in dem es noch weiterführende Roulette-Literatur gab,
beziehungsweise es gab dort Anzeigen von Verlegern,
die entsprechende Sach- und Fachbücher herausbrachten.
Es war eine Zeit, wo es noch nicht wirklich so etwas wie Amazon gab,
sondern man rief damals noch an
und ich hatte mir also den Katalog zukommen lassen.
Das waren fotokopierte Seiten,
ich weiß nicht,
drei oder vier DIN-A4-Seiten,
die dann so geklammert waren,
und man suchte sich aus diesem kleinen Prospekt das heraus,
von dem man glaubt,
dass es einem weiterbringt
und bestellte es dann per Telefon.
Die Preise für die Bücher waren recht happig,
es waren auch Bücher dabei,
die aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt wurden
und das waren winzig kleine Auflagen,
die alle über einen Fotokopierer liefen
und dann zusammengeklebt oder zusammengeheftet wurden
und 100 Mark kosteten
und so weiter.
Das war eine Menge Geld,
aber ich investierte es
und studierte danach also die Roulette-Wissenschaft,
die natürlich im Endeffekt auch nichts anderes ist
als angewandte Statistik,
mit ein paar,
ich sage jetzt mal,
Dingen,
wo ein normaler Statistiker lächeln würde,
die aber für einen Roulette-Spieler doch ganz wichtig
und interessant sind.
Ich hatte schon immer ein gewisses mathematisches Verständnis gehabt
und ich wusste,
dass ich mich da auf verdammt dünnem Eis bewege,
aber ich war recht kreativ in der Umsetzung
und ich entwickelte dann meine eigenen Systeme,
die mal mehr,
mal weniger gut funktionierten
und ich glaube,
ich habe auch tatsächlich interessante mathematische Dinge entdeckt
und erfahren,
aber unterm Strich muss ich natürlich sagen,
auf lange Sicht gewinnt immer die Bank
und daran ändert auch das beste System nichts.