Sehen
Erinnerungen an Stadtfeste in Berlin
Es gab im Osten
eine Menge an Festen,
die im Jahr regelmäßig stattfanden.
Da war zum einen im Februar
das Festival des politischen Liedes.
Sehr schwer,
Karten dafür zu bekommen.
Ich weiß noch, ich glaube,
es war die neunte Klasse,
da hatte ich mich auch angestellt.
In der Klosterstraße,
im Haus der jungen Talente,
war immer der Kartenvorverkauf.
Man musste früh hingehen
und sich eine Karte holen,
die im Prinzip zum Warten berechtigte.
Dann wurde über Lautsprecher
immer aufgerufen,
welche Gruppierung dran ist.
Man hat auf seine Wartekarte geguckt
und dann wusste man,
ob man rein kann oder nicht.
Dort habe ich dann auch mal Karten bekommen
für die Erste Allgemeine Verunsicherung.
Die ist im Osten aufgetreten,
und zwar kurz bevor sie richtig deutschlandweit
mit ihren Hits bekannt wurden.
Ich saß oben im Rang
und konnte auf die Bühne schauen.
Ein sehr schönes Konzert,
an das ich mich noch sehr gerne erinnere.
Vor allen Dingen, weil ich zu einer kleinen Gruppe von Auserwählten gehörte.
Sie hatten zweimal in Berlin gespielt,
zwei Konzerte hintereinander,
und ich war einer der wenigen,
die sozusagen die Band sehen konnten.
Dann gab es im Frühjahr,
ich glaube,
das war Pfingsten,
das ND-Pressefest,
das immer im Volkspark Friedrichshain stattfand.
Dort waren alle möglichen Stände
über den ganzen Park verteilt,
und es gab auch ein oder zwei Bühnen
mit Rockkonzerten.
Eine Menge bekannter Bands
sind dort aufgetreten,
und ich habe mir oft die Konzerte,
die kostenlos waren,
einfach Open Air angehört.
Dann ist noch der Solidaritätstag
der Berliner Journalisten
auf dem Alexanderplatz wichtig gewesen.
Dort konnte man alle möglichen Sachen
käuflich erwerben,
die sonst schwer zu bekommen waren.
Es gab zum Beispiel Palästinensertücher,
die damals absoluter Modetrend waren.
Mit Politik hatte das damals nichts zu tun,
es war einfach nur ein Modetrend.
Dann gab es noch das Weißenseer Blumenfest,
was auch sehr beliebt war.
Das war eher vom Kulturbund organisiert.
Auch da gab es die ein oder andere Rarität
auf irgendwelchen Verkaufsständen,
die die Leute eingerichtet hatten.
Das Ganze war immer viel besucht
und es gibt es noch heute.
Bei einer Veranstaltung,
ich glaube,
es war das ND-Pressefest,
gab es auch einmal eine Sache,
dass man sich dort
auf ein fest montiertes Fahrrad
auf Rollen draufsetzen konnte
und gegen die Zeit fahren konnte,
zehn Minuten lang.
Ich habe das auch gemacht.
Ich hatte, glaube ich,
eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 67 km/h.
Ich wollte jeden Rekord brechen,
bin nur einmal mit den Füßen abgerutscht,
ansonsten richtig schnell gefahren.
Mir war danach, ich glaube,
mindestens eine halbe Stunde lang kotzübel,
weil ich mich einfach komplett verausgabt hatte.
Das habe ich dann auch nie wieder so gemacht,
aber es war eine interessante Erfahrung.