Sehen

Erinnerungen an Tamara

Sandro Mohn

In Wismar war ich gerne zu Gast.
Dort hatte ich eine Menge Freunde.

Im Gegensatz zu Berlin,
wo die Leute immer so unheimlich cool und distanziert waren,
ging es dort hoch her.

Wenn man in eine Diskothek ging,
auch mit ein paar Freunden,
war man eigentlich sofort wie in einer Familie aufgenommen.

Es machte unheimlich großen Spaß,
dort zu tanzen,
zu schwatzen,
Leute kennenzulernen.

Die soziale Hemmschwelle war also nicht so wie in Berlin,
und ich habe viele Frauen in Wismar näher kennengelernt.

So unter anderem auch Tamara.

Tamara war die Schwester einer Freundin,
die mit einem Freund,
den ich in Wismar hatte,
dort zugange war.

Ich lernte Tamara also über meinen Freund kennen,
der mit ihrer Schwester zusammen war.

Tamara war Krankenschwester,
oder sie lernte zu diesem Zeitpunkt Krankenschwester.

Ich hatte Urlaub und war sie dann im Krankenhaus besuchen,
oder an ihrer Berufsschule.

Sie fiel mir sofort um den Hals
und fing hemmungslos an,
mit mir rumzuknutschen.

Das fand ich brillant.

Ich muss auch sagen,
sie hat sehr gut geküsst.

Es hat mir großen Spaß gemacht,
mindestens zehn Minuten lang
in dem Gang oder der Halle,
wo ich sie besuchte,
mit ihr rumzuknutschen.

Viel interessanter war:
Sie wohnte nicht direkt in Wismar,
sondern in einem kleinen Dörfchen am Rande,
zehn Kilometer entfernt.

Mein Freund, der ein Motorrad hatte,
fuhr mich dann ab und zu hin,
damit ich sie besuchen konnte.

Sie hatte dort ihre Großmutter in demselben Dorf,
und die Großmutter war cool.

Die hatte ihr eigenes Haus,
und auf dem Dachboden
hatten sich die Enkelkinder ein eigenes Zimmer eingerichtet.

Die Großmutter war so locker
und sagte:
Ja, ja,
geht mal auf den Dachboden.

Sie wusste ganz genau,
dass dort gevögelt wird,
aber sie hatte da überhaupt gar keine Hemmungen.

Es war also echt witzig,
dort sein Liebesnest zu haben.

Allerdings war das für mich auch etwas peinlich.

Ich bin extrem schnell gekommen.

Ich war ja noch Teenager oder fast noch,
in den frühen Zwanzigern,
vielleicht gerade zwanzig geworden.

Da ist man ein Schnellspritzer,
das muss ich einfach sagen.

Erst ein paar Jahre später
hat man es dann geschafft,
dass man seinen Körper im Griff hat,
dass man sein Pulver nicht sofort verschossen hat.

Allerdings war das noch eine Zeit,
da man nach einer halben Stunde schon wieder konnte.

Es hat seinen Vorteil,
jung zu sein,
aber es hat auch seinen Nachteil.

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