Sehen
Erinnerungen an technische Spielereien
Meine Großmutter hat mich immer
bei meinen technischen Ambitionen
beziehungsweise wissenschaftlichen Interessen unterstützt,
obwohl es dabei eben auch
zu kuriosen Momenten gekommen ist.
Ich kann mich daran erinnern,
dass sie mir einmal
eine Rakete gekauft hat,
die man mit Wasser füllte.
Dann musste man
mit einer Luftpumpe
ordentlich Druck
in der Rakete erzeugen,
und dann flog diese tatsächlich
zwanzig, dreißig Meter
in die Höhe,
wenn man einen entsprechenden Riegel löste,
sodass die Rakete
von dieser Luftpumpe,
die sie festhielt,
losgelassen wurde.
Soweit ich mich erinnere,
haben wir das
beim Besuch
bei meiner anderen Großmutter gemacht
und sind dazu
auf ein Feld gegangen,
weil sie ja
in einer Kleinstadt wohnte,
fast schon auf dem Dorf,
wo ein entsprechendes Feld
nicht weit entfernt war.
Es muss so Herbst gewesen sein.
Die Bauern hatten,
glaube ich,
den Boden
mit ihrem Pflügen aufgeraut,
es wuchs also nichts, und wir konnten da problemlos
meine Raketenversuche machen.
Dann kaufte sie mir auch
einen Chemiebaukasten,
der für mich natürlich
hochinteressant war.
Weil alles, was knallt und stinkt,
natürlich für einen Teenager
ein aufregender Inhalt ist.
Wir hatten im Chemieunterricht
gerade durchgenommen,
wie man Knallgas herstellt.
Ich sagte dann also
im Wohnzimmer
zu meiner Großmutter:
Ich stelle jetzt schnell Knallgas her,
Wasserstoff,
und lasse es explodieren.
In dem Reagenzglas brodelte dann halt
irgendeine Substanz,
und meine Großmutter schrie auf
und sagte:
Nein, nein, nein, nein!
Sie stampfte
mit den Füßen auf,
während ich mich köstlich amüsierte
über ihre Angst.
Es hat dann auch nur
ein kleines Puff gemacht,
und meine Großmutter war
einerseits natürlich verschämt erleichtert darüber,
dass diese Reaktion
nicht sonderlich katastrophal war,
andererseits aber auch sauer,
weil ich nicht
auf sie gehört hatte.
Und natürlich hing der Haussegen
etwas schief.
Ich habe ja meine Nachmittage
nach der Schule
bei meiner Großmutter verbracht.
Es gab noch eine andere Sache,
aber da hat sie mir
anders dazwischengegrätscht.
Sie hatte mir ja für Silvester
ab und zu Silvesterraketen gekauft,
die wir dann doch nicht
zum Starten gebracht hatten,
aus welchen Gründen auch immer.
Jedenfalls fand ich davon einige
im Schrank,
und die hatte ich dann genommen
und auseinandergebaut.
Die Farbkugeln, die da drin waren
und die sozusagen
beim Explodieren dann
rot, gelb, grün, blau, weiß gewesen wären –
die habe ich
im Ofen verbrannt.
Ich habe mich da köstlich amüsiert,
wie der Ofen dann rot
in Flammen aufging.
Das Treibmittel habe ich allerdings behalten,
und ich wollte dann
eine Rakete bauen.
Ich hatte mir auch eine Fernzündung konstruiert.
Allerdings hatte, als ich in der Schule war,
meine Großmutter
die Sachen gefunden.
Ich weiß nicht, wieso sie in meinen Sachen –
ich hatte bei meiner Großmutter
in der Wohnung eine Ecke,
wo meine Sachen waren –
irgendwie rumgeschnüffelt hat.
Dann bekam ich eine Standpauke,
dass ich dies also
nicht zu machen hätte.
Womit sie einerseits natürlich recht hatte.
Andererseits war ich felsenfest davon überzeugt,
dass meine Fernzündung
auf Graphitbasis
mich vor der Katastrophe bewahrt hätte.
Aber gut, es kam also nie
zu diesem Raketenstart.
Mir fällt jetzt an technischen Spielereien –
bis auf den Fotoapparat –
auch erst mal
nicht mehr ein.
Aber sie hat sicherlich noch
eine Menge andere Sachen gemacht.
Vieles ist im Nebel der Zeit verschwunden.