Sehen
Erinnerungen an Trixie
Trixie war eine von den Frauen,
die man nicht so leicht vergisst,
obwohl die Zeit mit ihr nur ein paar Monate dauerte.
Sie wirkte gutgläubig und mütterlich zugleich,
hatte aber auch etwas Kindliches an sich,
das immer wieder durchbrach.
Ihr Spitzname, den sie sich selbst gegeben hatte,
war die fixe Trixi-Hexe.
Das passte zu ihr.
Morgens nach dem Aufstehen brauchte sie als Erstes einen starken Mokka.
Daran merkte man sofort,
dass sie aus dem Osten kam.
Kaum hatte sie die Tasse abgestellt,
kam sie schon zu mir ins Bett
und nahm meinen Schwanz in den Mund,
ohne dass ich etwas sagen oder tun musste.
Es war eine feste Gewohnheit,
fast ein Ritual.
Manchmal lag ich da
und fragte mich still,
ob dieser Geschmack nach Schlaf und Mokka für sie etwas Besonderes ergab,
eine Kombination,
die nur Frauen oder vielleicht Schwule wirklich mochten.
Ich selbst bin nicht schwul
und kann mich nicht erinnern,
dass mir so etwas je gefallen hätte.
Manchmal, während sie noch beschäftigt war,
versuchte sie,
mir einen Finger in den Po zu schieben.
Ich war Mitte zwanzig
und hatte keine Ahnung von Prostata-Orgasmen
oder was das alles sollte.
Ich schob ihre Hand dann dezent weg,
ohne großes Aufhebens.
Hauptsache, sie hörte nicht mit dem Blasen auf.
In Gedanken sagte ich mir immer wieder,
dass ich nicht schwul bin.
Sie war schwanzfixiert
auf eine Weise,
die mich anfangs amüsierte
und später einfach nur noch selbstverständlich wurde.
Ihr kindliches Wesen zeigte sich auch darin,
wie sie lachte
oder plötzlich alberne Geschichten erzählte.
Die mütterliche Seite kam zum Vorschein,
wenn sie mich umsorgte,
mir etwas zu essen machte
oder einfach nur da war,
wenn ich müde nach Hause kam.
Irgendwann sagte sie mir,
dass sie woanders hinziehen müsse.
Beruflich, glaube ich.
Es war ein Praktikum
oder etwas Ähnliches.
Damals gab es noch kein WhatsApp,
kein Facebook,
keine schnellen Nachrichten.
Sie war einfach weg.
Wie in Luft aufgelöst.
Kein Abschiedsbrief,
kein letztes Treffen,
keine Erklärung,
die länger als zwei Sätze gedauert hätte.
Die Beziehung hörte auf,
ohne dass sie richtig endete.
Jahre später, aus einer Laune heraus,
rief ich einmal ihre alte Telefonnummer an.
Nur so zum Spaß.
Es meldete sich ein älterer Herr
mit einem ganz anderen Namen.
Von einer Trixie oder Triexi
hatte er noch nie etwas gehört.
Die Nummer gehörte längst jemand anderem.
Ich legte auf und dachte einen Moment lang darüber nach,
wie spurlos manche Menschen aus dem eigenen Leben verschwinden können.