Sehen
Erinnerungen an Valerie
Valerie war keine Schönheit.
Aber Valerie hatte etwas Unglaubliches:
Sex-Appeal.
Und eine durch und durch erotische Lebenseinstellung.
Ihr Gesicht war blass,
fast weiß.
Ihre Haare rot.
Die Frisur nicht nach der neuesten Mode gekämmt.
Und trotzdem strahlte ihr ganzer Körper aus:
Ich will ficken.
Sie trat mit vielen gutaussehenden gleichaltrigen Frauen in Konkurrenz
und konnte sich auch immer wieder durchsetzen.
Ich weiß nicht genau,
was dahinter gewesen ist.
Vielleicht eine Art Hemmungslosigkeit,
die schönen Frauen fehlt,
weil diese immer eine Maske aufrechterhalten müssen.
Sie hatte dieses Bedürfnis nicht,
von daher konnte sie sich sexuellen Spielereien und Schweinereien
mit einer Offenheit hingeben,
die anderen Frauen nicht gegeben war.
Auch ich bin mit ihr im Bett gelandet.
Wobei ich mit ihr sogar einen Dreier hätte machen können.
Es war kurz bevor ich zur Armee ging.
Ich hatte bei einem Freund übernachtet,
und Valerie war anwesend.
Sie hatte zum damaligen Zeitpunkt sowohl mit ihm
als auch mit mir unabhängig voneinander geschlafen.
Jetzt war sie am Überlegen
und meinte,
sie würde erst mit meinem Freund
und danach wieder mit mir ins Bett steigen.
Irgendwann später kam sie an und sagte:
„Ach, es ist mit ihm so schön.
Ob ich ein Problem hätte,
wenn sie bei ihm bleibt,
aber ich könnte dazustoßen
und wir könnten auch einen Dreier machen."
Ich war aber mit meinen neunzehn Jahren dazu nicht in der Lage –
körperlich schon,
aber nicht mental.
Ich habe abgelehnt und bin allein zurückgeblieben.
War natürlich etwas traurig,
weil ich war untervögelt
und hätte dringend Sex gebraucht.
Aber ich war nicht mutig genug zu sagen:
Hey,
dann machen wir es zu dritt.
Es war damals ja auch noch komisches.
Zwei Männer, eine Frau –
das wäre auch immer irgendwo etwas Homosexuelles gewesen,
was mit in der Luft geschwungen hätte.
Das war zum damaligen Zeitpunkt überhaupt ein großes Tabuthema.
Heute bereue ich es.
Wer weiß, was ich erlebt hätte,
wenn ich mich darauf eingelassen hätte.
Sie hat später immer wieder zu mir gesagt:
„Hey Sandro,
da hast du damals was verpasst."
Sie wäre bereit gewesen.
Ich weiß nicht, ob mein Freund dazu bereit gewesen wäre,
aber ich glaube,
sie hätte ihn schon überzeugt.