Sehen
Erinnerungen an wiederkehrende Träume
Ich glaube, Träume sind für jeden Menschen
eine immer wieder mystische Erfahrung,
wenn man in die verschiedensten Welten geschickt wird,
die sich das eigene Gehirn ausdenken kann.
Bei mir gibt es vier Träume,
die ich in regelmäßigen Abständen
in gewisser Form immer wieder träume.
Da ist der erste Traum der,
dass ich mich im Zweiten Weltkrieg befinde,
kurz vor Ende des Falls von Berlin.
Meist bin ich irgendwie ein Gefangener
oder eine andere beschissene Person,
die sozusagen kurz davor ist,
verheizt zu werden.
Aber der Krieg geht haarscharf
immer an mir vorbei.
Selbst wenn ich ein Häftling bin,
der plötzlich im Führerhauptquartier sein soll,
dann beachtet man mich nicht.
Einerseits.
Andererseits bin ich trotzdem in Gefahr.
Das ist eine sehr merkwürdige Situation,
und ich weiß auch nicht,
woher ich diese Träume habe.
Der andere Traum ist damit verwandt.
Und zwar träume ich,
dass man mich vergessen hat,
von der Armee,
in der ich gewesen bin,
zu entlassen.
Das heißt,
ich habe das Problem,
dass ich dieselbe Zahl an Jahren,
die ich bei der Armee verbracht habe,
nochmal verbringen soll.
Eine zweite Dienstzeit
wird mir hinterhergeschoben.
Und als Alternative manchmal noch,
dass ich als Reservist eingezogen worden bin
zur Armee
und nochmal das ganze Prozedere dort durchmachen muss.
Und auch das,
was man Tage drücken nannte,
also die Sehnsucht,
endlich wieder von der Armee entlassen zu werden.
Manchmal ist es so,
dass ich schon ein bisschen cooler bin,
manchmal ist es noch so,
dass ich ja noch relativ unerfahren bin
im Traum bei der Armee.
Es ist also sozusagen nicht ganz klar,
was so mein innerer Stand ist.
Und ich bin froh,
wenn ich aufwache,
dass ich merke,
dass ich alles nur geträumt habe.
Der dritte Traum ist ein Traum
über meinen Vater,
der relativ früh in meinem Leben gestorben ist.
Ich war 17 Jahre alt.
Und im Traum ist es so,
dass er da ist.
Und er ist in Wirklichkeit,
also in meinem Traum,
in der Traumwirklichkeit,
ist er gar nicht gestorben,
sondern er war untergetaucht
und hat jahrelang ganz woanders gelebt.
Und plötzlich ist er wieder da.
Ich versuche dann immer,
ihn zu fragen,
wie es kommt,
dass er jahrelang von seiner Familie getrennt gelebt hat.
Aber aus einem unbekannten Grund
kann er das nicht beantworten.
Das ist auch ein für mich
sehr merkwürdiger Traum,
vor allen Dingen nach Jahrzehnten.
Und das Komische ist halt wirklich,
dass ich diesen Tod meines Vaters
augenscheinlich nie verarbeitet habe.
Anders kann ich mir diesen Traum nicht erklären.
Und der vierte Traum ist der Traum,
dass ich fliegen kann.
Meist kann ich laufen
und dann springe ich,
so als ob man einen Weitsprung macht,
also einen langen Sprung mit Anlauf.
Aber ich falle nicht zur Erde zurück,
sondern ich gleite über der Erde entlang.
Und dann stelle ich fest,
dass ich,
wenn ich mit den Armen rudere
wie ein Vogel mit seinen Flügeln,
dann tatsächlich in die Luft aufsteigen kann
und fliegen kann wie ein Vogel.
Das gibt es in den verschiedensten Varianten,
dass ich auch aus dem Fenster springe
und mit den Armen schwinge wie ein Vogel.
Und das ist doch ein sehr angenehmer Traum
von den wiederkehrenden.
Also drei sind sehr merkwürdig und traurig,
und einer ist doch schöner.
Obwohl es auch manchmal so ist,
dass ich fliegen muss,
um vor irgendjemandem zu fliehen.
Auch nicht schön,
aber das Fliegen entschädigt mich dann
für die Angst.