Sehen

Erinnerungen an zwei amerikanische Filme

Sandro Mohn

Für viele meiner Generation im Osten war der Film „Beat Street",
den Harry Belafonte produziert hatte,
ein wichtiger und einflussreicher Film,
aufgrund dessen in Ostdeutschland beziehungsweise der DDR
eine Breakdance- und Rap-Kultur entstand,
die sich doch auch gegen das Establishment stellte.

Wobei das wahrscheinlich gar nicht mal politisch war,
sondern eher aus einem Freiheitsbegriff heraus.
Ich habe diesen Film auch gesehen,
und ja, er hat auch auf mich eine große Wirkung gehabt.

Aber es gab einen anderen Film,
der für mich viel einflussreicher war,
weil ich stand nicht auf Rapmusik –
das war sozusagen das Manko dieses Films für mich.

Der andere Film, der für mich viel einflussreicher war,
das war „Fame – Der Weg zum Ruhm" von Alan Parker,
der auch im Osten lief,
mit ein paar Jahren Verzögerung.

Er kam im Osten im Jahr 1984 in die Kinos,
wurde 1980 gedreht und herausgebracht.
Ich habe ihn im Kino Colosseum gesehen.

Dieser Film war wie ein Schlag in die Magengrube für mich.
Ich kam aus dem Kino heraus,
und zum allerersten Mal habe ich begriffen,
wirklich begriffen,
dass der Osten grau ist.

Ich lief durch die Schönhauser Allee,
und es war für mich ein absolut ernüchterndes Erleben,
diese Straße im Osten zu sehen und zu merken:
Das ist eigentlich schrecklich,
was ich hier sehe.

Ich saß in einer rumpelnden Straßenbahn,
die ich heute nostalgisch betrachte.
Aber damals war es einfach ein Schock,
weil ich merkte,
man kann auch ganz anders leben.

Das Interessante daran ist,
dass Berlin eigentlich genauso ranzig und abgerockt war,
wie es New York zu diesem Zeitpunkt war.

Aber es gab einen großen Unterschied
zwischen dem abgewrackten New York
und dem von Ost-Berlin,
und das war Freiheit.

Dieses Lebensgefühl,
das dort in dem Film vermittelt wurde,
war etwas,
wonach ich immer gesucht habe.

Diese Schule, wo man Kunst lernte,
die undogmatisch war,
nicht nur im politischen Sinn –
das war etwas Wunderschönes,
etwas Befreiendes.

Ich habe mir gewünscht,
ich könnte dort leben.

Das war für mich ein wirklich prägendes Ereignis,
das mich auch mental für Amerika aufgeschlossen hat.

Ich bin dann tatsächlich auch Jahrzehnte später rüber in die Staaten gegangen.

Und ich habe gemerkt,
dass ich zwar einerseits im tiefsten Herzen Deutscher bin,
aber es gibt eine Form der amerikanischen Mentalität,
die mir sehr nahe ist.

Die hat sich in dem Film „Fame – Der Weg zum Ruhm" manifestiert.

Ich glaube, ich kann mein Leben nur aus dem Blickwinkel auch dieses Films
wirklich erklären und begreifen.

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