Sehen

Erinnerungen ans erste masturbieren

Sandro Mohn

Irgendwann bekam ich
die ersten erotischen Träume,
an die ich mich noch erinnern kann.

Ich wusste noch nicht,
dass es erotische Träume sind,
weil sie auch völlig –
wie soll ich sagen –
schwer mit herkömmlicher Erotik
zu tun hatten.

Ich sah mich in meiner Fantasie
auf einen Schaschlik-Spieß aufgespießt
mit anderen Menschen,
und wir drehten uns
auf diesem Schaschlik-Spieß.

Ich träumte davon, dass ich durch die Toilette
in die Kanalisation hinuntertauche,
dort in eine andere Welt hineingleite
und dort dann solche Aktivitäten habe.

Erst viel, viel später
ist mir klar geworden,
dass dies die ersten erotischen Fantasien waren.

Wobei ich sagen muss,
dass davon nichts übrig geblieben ist.

Ich habe also weder in meinem Leben
einen Wunsch verspürt,
mich aufzuspießen,
durch den Bauch mit einem langen Speer,
und darauf aufgefädelt zu sein
mit anderen Personen.

Ich bin auch nicht in die BDSM-Szene abgerutscht.

Aber es hatte etwas Erotisches,
und zwar über die Körperlichkeit.

Ich habe diese Fantasien dann auch oft gehabt,
wenn ich auf dem Bauch lag.

Irgendwann stellte ich fest,
dass wenn ich mit meiner Hüfte
gegen die Matratze drücke,
dies unten angenehme Gefühle auslöst.

Ich habe das dann so lange wiederholt,
bis irgendwann der erste Samenerguss kam.

Ich habe das am Anfang noch irgendwie versucht
zu unterdrücken
und bin dann so in meinem Sperma liegend
eingeschlafen.

Komischerweise hat es mich nicht gestört.

Es hat lange gedauert,
vielleicht ein Jahr,
bis ich angefangen habe,
mit der Hand zu masturbieren.

Das war für mich dann
etwas völlig Neues.

Man muss dazu auch sagen:
Das war eine Matratze,
die dann irgendwann voller Sperma war,
und das Laken auch.

Ich glaube, meine Stiefmutter war ein bisschen angeekelt darüber.

Mein Vater sagte dann zu mir,
dass ich Handtücher nehmen solle.

Es ist so ein bisschen komisch.

Ich bin von meinem Vater
in diesen Punkten nie wirklich aufgeklärt worden,
obwohl mein Vater ein sexueller Mensch war
und auch Masturbation nicht verteufelt hat.

Aber es war trotzdem irgendwie
etwas Unangenehmes.

Ich habe dann seinen Rat beherzigt
und ansonsten versucht,
das Thema nicht weiter zu erörtern.

Das Masturbieren ist etwas,
was ich bis heute kontinuierlich tue,
und ich glaube,
das hat ein bisschen zu meiner Lebensgesundheit beigetragen.

Die Fantasien haben sich
im Laufe der Zeit etwas verändert,
wenngleich ich jetzt auch nicht
in irgendwelche abartigen Fantasien abgeglitten bin –
jedenfalls abartig aus meiner Perspektive.

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