Sehen

Erinnerungen ans Hedwig-Krankenhaus

Sandro Mohn

mich mein Leben lang begleitet.
Ich verbinde damit aber nicht nur Momente des Gesundwerdens.

Ich kann mich daran erinnern,
dass meine Großmutter mütterlicherseits,
die witzigerweise auch Hedwig hieß,
dort einmal behandelt wurde.

Aber ich war damals noch ein sehr, sehr kleines Kind,
muss jünger als sechs Jahre alt gewesen sein.

Das sind auch nur ganz tiefe Fetzen der Erinnerung,
dass ich sie dort besucht habe.

Dann war meine Großmutter väterlicherseits,
die auch in unserer Nähe wohnte,
einmal dort,
weil ihr die linke Niere entfernt wurde.

Ich kann mich noch sehr daran erinnern,
dass sie immer über Gallenkoliken geklagt hatte.

Dann ist sie irgendwann doch zum Arzt gegangen,
und es hat sich herausgestellt,
es waren keine Gallenkoliken,
sondern die eine Niere war schon vollkommen verschrumpelt
und fast abgestorben.

Dann hat man ihr die eine Niere entfernt,
und sie hat mit der anderen Niere weitergelebt.

Mein Vater wurde ein paar Jahre darauf ins Krankenhaus eingeliefert,
weil er Probleme mit dem Magen hatte,
Es war ein Magengeschwür,
das man ihm dort entfernt hat.

Man hat mir gesagt,
er sei dem Tod von der Schippe gesprungen,
und er solle,
weil er gerne gegessen hat,
sein Essverhalten etwas ändern.

Aber ich glaube, das fiel nicht auf fruchtbaren Boden.

Und ich glaube, es wird auch nicht einmal das Essen gewesen sein,
sondern er hat sehr unter Druck gelebt.

Das sind aber andere Probleme.

Ich denke, das wird sehr viel psychischer Natur gewesen sein,
was dafür gesorgt hat,
dass er dann zwei Jahre später wieder ins Krankenhaus kam,
wieder wegen Magengeschwüren.

Das hat er dann nicht überlebt.

Er wurde in kürzester Zeit dreimal operiert
und ist dann im Prinzip an den Folgen einer Sepsis,
also einer Blutvergiftung,
gestorben.

Wahrscheinlich ist kein Krankenhaus so steril,
dass man Keime hundertprozentig ausschließen kann.

Zum Schluss wurde meine Großmutter eingeliefert,
oder ich habe sie eingeliefert,
weil sie Beschwerden mit dem Darm hatte.

Auch sie ist dann im Prinzip an den Folgen der Operationen gestorben,
die eine Woche nach Einlieferung vorgenommen werden mussten.

Wenn man zwei Angehörige in einem Krankenhaus nach Operationen verliert,
dann ist das schon etwas sehr Tragisches.

Ich weiß nicht, ob ich mich jemals ins Hedwigs-Krankenhaus einweisen lassen möchte.

Wer weiß, ob man das überlebt.

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