Sehen

Erinnerungen ans Rauchen

Sandro Mohn

Mit dem Rauchen
habe ich erst
nach meiner Schulzeit angefangen.

Während der Schulzeit
war ich eigentlich stolz,
dass ich nicht zu denen gehörte,
die sich heimlich
in der Ecke hinstellen
und eine Zigarette paffen,
was ja nicht erlaubt war.

Ich betrieb Sport und war mir
einer gesunden Lebensweise bewusst.

Dann hatte ich die Schule beendet,
und in den letzten großen Ferien,
bevor ich eine Lehre begann,
war ich zelten.

Dieses Zelten fand aber
zu einem Zeitpunkt statt,
als es dort entsetzlich regnete.

Also saß ich mehr oder weniger
in einem Unterstand
und langweilte mich
vor mich hin.

Wie es dann so ist,
bekommt man eine Zigarette angeboten
und denkt sich:
Ach na ja,
mein Gott,
es ist so langweilig.

Dann probiert man eine.
Ehe ich mich versah,
hatte ich mir
meine erste Schachtel Zigaretten gekauft.

Aber ich rauchte natürlich nur sporadisch,
alle zwei oder drei Tage mal eine Zigarette.

Nachdem ich aus dem Lager zurück war,
waren die paar Zigaretten auch alle,
und dann war es erst mal vergessen.

Doch dann waren die Ferien zu Ende.
Ich ging zum ersten Mal
in die Berufsschule,
die sich in Berlin-Lichtenberg befand.

Vor dem Berufsschulgebäude
standen meine zukünftigen Klassenkameraden,
und einer bot mir eine Zigarette an.

Da ich ja jetzt schon Erfahrung
mit dem Rauchen hatte,
griff ich beherzt zu.

Kurze Zeit später hatte ich schon die zweite Schachtel.

Wie das so ist, steigert sich der Konsum peu à peu,
und Jahre später
rauchte ich eine Schachtel am Tag.

Während der Armeezeit
habe ich öfter mal versucht aufzuhören,
auch später immer wieder.

Aber es kam immer wieder zu Rückschlägen.

Bis eines Tages, vor zwanzig Jahren,
meine damalige Freundin mich fragte,
ob ich nicht mit ihr –
sie rauchte auch –
mit dem Rauchen aufhören will.

Ich habe spontan ja gesagt,
die Zigarette weggelegt
und tatsächlich seitdem
nie wieder eine Zigarette geraucht.

Was mir dabei geholfen hat:
Vorher,
wenn ich mit dem Rauchen aufgehört hatte,
war ich oft krank gewesen
und habe das Kranksein
als Grundlage genommen.

Dieses Mal war ich aber gesund.

Und als ich nach einer Woche
mit dem Rauchen aufgehört hatte,
stellte ich fest,
dass ich viel Kraft bekommen hatte.

Ich habe an einem Wochenende –
und wer mich kennt,
weiß, dass das eigentlich unmöglich ist –
vor lauter Kraft
nicht gewusst,
was ich tun soll,
und habe angefangen,
die Fenster zu putzen.

Es ist eigentlich völlig klar,
was passiert ist.

Mein Körper hat wieder genug Sauerstoff bekommen.

Quasi wie bei einem Höhentraining,
das ein Leistungssportler macht,
um mehr Kraft zu bekommen,
hat mein Körper
diesen Überschuss an Sauerstoff
einfach in Bewegung umgesetzt.

Das ist einer der Gründe gewesen,
warum ich nie wieder
mit dem Rauchen angefangen habe.

Weil mir das tatsächlich
vor Augen geführt hat,
wie das Rauchen
meinen Körper beeinträchtigt hatte.

Meine damalige Freundin fing dann aber
nach einem Monat wieder an zu rauchen.

Da sie depressiv war,
dachte ich,
dass das Rauchen vielleicht
ein Grund für ihre Depressivität gewesen ist.

Ich habe dann gegoogelt,
um zu schauen,
ob meine These stimmt.

Ich war sehr erstaunt festzustellen,
dass es genau andersherum ist:
Nikotin ist ein Antidepressivum,
und viele Menschen,
die eine leichte Depression haben,
therapieren sich ohne es zu wissen,
mit Rauchen.

Dann wurde mir auch klar,
warum viele Leute Probleme haben,
mit dem Rauchen aufzuhören.

Nicht nur, weil es eine Sucht ist,
sondern weil es ihnen danach
wirklich schlechter geht,
weil sie nicht wissen,
dass sie eine leichte Depression haben.

Gott sei Dank habe ich keine.

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