Sehen
Erinnerungen ans Saubermachen
Als meine Stiefmutter bei uns in der Familie Einzug hielt,
hielt auch die Aufgabe Einzug,
sonnabends die Treppe und mein Zimmer sauber zu machen,
zu fegen und zu wischen.
Das war eine Sache,
die mir komplett verhasst war.
Ich bin kein unordentlicher Mensch von Natur aus.
Ich kann sehr gut eine Ordnung installieren.
Aber sie aufrechtzuerhalten,
das möchte ich doch bitte gerne anderen Menschen überlassen,
weil ich der Meinung bin,
dass ich Wichtigeres zu tun habe.
Sobald es einen Roboter gibt,
der zu Hause das gesamte Staubsaugen,
Fegen und Wischen übernimmt,
ist er sofort meiner.
Und ich meine damit nicht diese Kleinen,
die durch die Wohnung kreisen –
die habe ich auch schon –,
sondern jemand,
der von sich aus die Geräte in die Hand nimmt
und dies in regelmäßiger Reihenfolge tut.
Das war mir absolut verhasst.
Der Sonnabend bestand meist aus zwei,
drei Stunden Schule.
Danach ging ich zu meiner Großmutter,
um einen Kaffee zu trinken –
ich war also da schon etwas älter –
und die Zeitung zu studieren.
Die Wochenendbeilagen hatten meistens eine Wissenschaftsseite,
die für mich hochinteressant war.
Dann blieb mir nichts weiter übrig,
als zu meinem Vater zu gehen.
Am Sonnabend gab es meistens Suppe.
Sonnabend war der Suppentag,
den mein Vater kochte.
Und dann musste ich die Haustreppe fegen und wischen.
Wir wohnten im ersten Stock,
aber mehr gab es auch nicht.
Das musste ich dann erst fegen
und dann wischen,
Sommer wie Winter.
Anschließend Suppe essen
und danach mein Zimmer aufräumen,
fegen und wischen.
Einmal im Frühjahr und im Herbst kam noch das Fensterputzen dazu,
was ich absolut gehasst habe.
Es gibt für mich keine schlimmere Tätigkeit.
Als ich, wie gesagt,
einmal mit dem Rauchen aufhörte
und vor Kraft sprudelte,
sodass ich Fenster putzte,
dann kann man ermessen,
was das Rauchen für eine Energie bei mir freigesetzt hat.
Dass ich eine derart bescheuerte Tätigkeit wie Fensterputzen freiwillig übernommen habe,
nur um mich irgendwie körperlich zu betätigen.
Nun, der einzige Lichtblick am Sonnabend war die Radiosendung von 14 bis 16 Uhr,
die ich dann während des Putzens hörte.
Von 15 bis 16 Uhr gab es eine Heavy-Metal-Stunde,
und eine Stunde lang wurde wirklich die Musik im Radio gespielt,
die ich mochte.
Das war ja auch für mich eine der wenigen Chancen,
um an westliche Metal-Musik zu kommen.
Wenn ich dann mit allem fertig war
und mir den eingebildeten Schweiß von der Stirn wischte,
habe ich mir einen Tee gekocht
und ein gutes Buch gelesen.