Sehen

es ist ein verdammtes Wunder

Charles Haiku

Es ist ein Wunder
geschehen.
Können wir ausrufen.

Dieser Kerl – nennen wir
ihn einfach den Matratzenkönig –
betreibt sein Bett
als eine Art heiligen
Altar der Lust.

Es ist eine alte,
durchgelegene Matratze direkt
auf dem kahlen Fußboden.
Sie ist übersät mit
getrockneten Spermaflecken,
eine Landkarte der Fleischeslust.

Mösensaftspritzer kleben da
wie Medaillen aus tausend
Schlachten, gelblich verkrustet,
manche frisch und glänzend,
als hätte gerade erst
seine Lanze benutzt.

Der Geruch von Sex
hängt in der Luft:
männlicher Schweiß,
Vanille-Parfüm der Damen,
der muffige Duft
von ungewaschenem Stoff
und darunter dieser animalische Kick
von purer, roher Geilheit.

Man stolpert rein
in seine Bude.
und schon schlägt einem
diese Wolke entgegen.
Und sie spricht
eine eindeutige Sprache.
Hier wird gefickt
und nicht geredet.

Und ich stehe da,
starre auf dieses Ding
und frage mich ernsthaft:
Wie zur Hölle
schafft er das?
Wie bringt er diese Frauen dazu,
sich freiwillig auf dieses
ranzige Stück Scheiße zu werfen,
die Beine breit zu machen
und sich vollpumpen zu lassen,
als wäre es das Wasserbett
im Penthouse eines Multimillionärs?

Die Matratze quietscht
bei jeder Bewegung.
Sie hat noch die guten,
alten Stahlfedern.
So federt sie fast
wie ein altes Trampolin,
und ab im Schweinsgalopp
zum nächsten Orgasmus.

Er hat kein Laken,
keine Kissen –
nur nackte, fleckige
Matratzenrealität.

Die Weiber kommen rein,
oft noch mit diesem
letzten Rest Scham
in den Augen,
ein bisschen Lippenstift,
enge Jeans,
die sie sich herunterzerren lassen.

Und er?
Er grinst nur,
er kennt die Wucht
seiner braunen Augen.

Der Kerl packt sie am Arm,
drückt sie runter,
und plötzlich sind alle
Hemmungen weg.

Es liegt an ihm, klar.
Er hat diese Ausstrahlung,
diese rohe, ungeschminkte Männlichkeit,
die keine Worte braucht.

Kein Geplänkel,
kein „Wie war dein Tag?“ –
er schiebt einfach die Hand
zwischen ihre Beine,
spürt die Feuchtigkeit
durch den Stoff
und murmelt was wie
„Du bist schon nass,
du kleine Schlampe“.

Und zack,
sie lassen es zu.
Sie legen sich hin,
auf diese Flecken,
die von anderen Weibern stammen,
von Nächten, in denen
er sie genauso durchgevögelt hat.

Manche küssen die Matratze fast,
als wäre sie heilig,
riechen dran,
lecken sogar drüber,
weil es sie anmacht,
Teil dieser endlosen Kette zu sein.

Er rammt rein,
hart und tief,
ohne Gummi meistens,
weil das hier kein Wellness-Fick ist,
sondern das ist Krieg.
Und er gewinnt.

Ich habe es erlebt.

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