Sehen
F W K
„Let’s go to Bush!“
Es war immer Chris,
die das vorschlug.
Die lange Dürre war eine
von unserem schrägen Quartett
am College of William and Mary
in Williamsburg,
Virginia,
USA,
anno 1979.
Die Zweite im Bunde
war Ellen,
groß und kräftig gebaut,
mit Kurzhaarschnitt.
Die Dritte ich, die deutsche Austauschstudentin.
Wir alle waren anders
als die durchschnittlichen Sororoty-Mädels.
Die waren glatt, mit Langhaarfrisur,
rasierten Beinen
und Achseln,
liefen gerne in Shorts herum
und waren hübsch,
nur alle
auf die gleiche Art.
Schwesternschaften gab es einige
am College
und wir Vier,
unser Kleeblatt,
hatten allesamt
eine natürliche Abneigung dagegen.
Sogar Janet, die Vierte
in unserem Bunde.
Sie konnte es Schönheitsmäßig
mit allen Schwesterschafts-Mädels aufnehmen.
Sie war ebenso schlank,
glatt,
langhaarig
und immer offenherzig gekleidet
im warmen Virginia-Wetter des Herbstes,
das mindestens bis Oktober
oder November andauerte.
Janet aber hatte noch eine Eigenschaft,
die die braven Schwestern nicht hatten:
Sie war sexy.
Und sie hatte immer News für uns,
über die wir uns
beim Frühstück
in der College Kantine
bei stapelweise pancakes
mit Sirup
totlachen konnten.
Während Chris ihre Entspannung
bei Bier von Anheuser Bush suchte
und immer wieder
einen Ausflug dorthin vorschlug,
war Janet offen
für andere Abenteuer.
Anheuser- Bush, die für deutsche Geschmäcker
sehr leichte Biersorte,
hatte ihre Brauerei
in Williamsburg,
nicht weit vom College.
Man konnte sich dort
in einer Art deutschem Biergarten niederlassen
und sich dem Getränk hingeben.
Sogar das Oktoberfest
wurde dort gefeiert
und Amerikaner aller Hautfarben
steckten in Plastik-Lederhosen
und karierten Hemden
und machten Blasmusik.
Unser Quartett war immer offen
für die Vorschläge von Chris,
und so landeten wir regelmäßig
in Bush.
Mit ein paar Promille im Blut
breiteten wir unsere Geheimnisse
voreinander aus.
Ich berichtete von Roman,
einem für uns Studentinnen alten Mann
von vielleicht 50.
Ich verriet, dass er mega stolz darauf war,
stundenlang ficken zu können,
so lange,
dass ich mich furchtbar langweilte
und mich fragte,
wie ich ihn stoppen könnte.
Da war Gary, ein Einheimischer,
den ich im Green Leafe Café
bei meinem Lieblings- Cocktail
„White Russian“ kennengelernt hatte,
schon spannender.
Er hatte zwar eine für mich damals noch seltsam wirkende Fixierung
auf meine Analöffnung,
aber ich musste zugeben,
es waren meine ersten Orgasmen
mit einem Mann.
Janet aber hatte die besten Stories parat.
Ihre frivole Ausstrahlung
hatte unseren Literaturdozenten
aus der Balance gebracht.
In einem Seminar über die moralischen Erzählungen der Puritaner
hatte er offenbar ihre vollen Lippen,
aus denen so manche Frechheit
bezüglich dieser Literatur kam,
lieben gelernt.
In einer Dozentenbesprechung
über eine Hausarbeit
in seinem Büro
wurde er deutlicher.
Und irgendwann begannen auch ihre regelmäßigen Hausbesuche
in seiner Campus Wohnung.
Das Markenzeichen des leicht angefetteten James Miller
war laut Janet:
FWK -fuck without kissing.
Unser Quartett buchte fortan am liebsten
seine Vorlesungen
und während er von den Moralgeschichten dozierte,
flüsterte uns Janet zu,
wo er ihre Lippen
beim letzten Mal
hin dirigiert hatte.
Statt auf den Mund.