Sehen

Fehlfunktion mit lautem Knall

Charles Haiku

Es war einer dieser Abende,
an denen alles perfekt lief –
bis es das nicht mehr tat.

Sie lag unter mir,
die Beine gespreizt wie ein offenes Buch,
das ich gerade mit der Zunge las.

Ihre Brüste,
diese beiden prallen, makellosen Silikon-Träume,
hoben und senkten sich im Takt ihres keuchenden Atems.

Ich hatte sie mir verdient, dachte ich,
nach drei Cocktails, zwei Stunden Smalltalk
und einem Taxi,
in dem sie mir schon die Hose aufgeknöpft hatte.

„Küss sie“, hatte sie geflüstert,
„küss sie, als gäb’s kein Morgen.“

Ich gehorchte.
Gierig.
Wie ein Verhungernder, der endlich ans Büfett darf.

Meine Lippen schlossen sich um die linke Brustwarze,
saugten, knabberten, zogen.

Sie stöhnte laut,
bog den Rücken durch,
drückte mir die Dinger entgegen
wie zwei reife Melonen,
die nur darauf warten, aufgebissen zu werden.

Ich wurde wilder.
Saugte fester.
Biss zu.

Und dann passierte es.

Zuerst nur ein leises Zischen,
wie wenn man eine Cola-Dose öffnet.

Dann ein dumpfes Pumpen unter der Haut.

Ich dachte, das gehört zum Spiel,
irgendein neuer Trick der Schönheitschirurgie,
Vibrationsmodus oder so.

Ich küsste weiter.
Gierig.
Immer gieriger.

Die Brüste wurden größer.
Nicht ein bisschen.
Richtig größer.

Wie Luftballons,
die jemand heimlich aufblies,
während ich drauf rumlutschte.

Sie quollen.
Schwollen.
Dehnten sich.

Die Haut wurde dünner, glänzender,
spannte sich wie billiger Latex
über einem Wasserbomben-Wettbewerb.

„Was zur Hölle…“, murmelte ich,
den Mund noch voll Brust.

Sie lachte nur.
Nicht das geile Lachen von vorhin.
Ein nervöses. Ein panisches.

„Nicht aufhören“, keuchte sie,
„vielleicht hört es dann auf!“

Ich hörte nicht auf.
Ich konnte nicht.

Die Dinger waren inzwischen so groß wie Medizinbälle.
Ich hing dazwischen wie ein Baby an einer Doppelpumpe.

Und dann –
KNALL! Links.
KNALL! Rechts.

Zwei ohrenbetäubende Explosionen,
als hätte jemand zwei Silvesterböller in einem Zelt gezündet.

Ich flog rückwärts gegen die Wand,
bedeckt mit einer klebrigen, warmen Masse,
die aussah wie Vanillepudding mit Glitzer drin.

Sie lag da.
Nackt.

Zwei riesige, leere Silikonhüllen
hingen schlaff von ihrer Brust
wie plattgetretene Luftmatratzen.

In der Mitte zwei hässliche, rote Narben prangten,
wo einst die Implantate gesessen hatten.

Sie starrte an sich herunter.
Ich starrte sie an.

Dann starrten wir beide auf die Bescherung an der Decke –
zwei zerfetzte Silikonfetzen klebten dort
wie tote Quallen.

„Billigimplantate aus Polen“, sagte sie leise.
„Gebraucht gekauft. Auf eBay.“

Ich zog mir die Hose hoch.

„Weißt du“, sagte ich,
„ich steh eigentlich auf Natur.“

Sie nickte.
„Ich auch. Jetzt wieder.“

Wir haben uns nie wiedergesehen.

Aber manchmal, wenn ich nachts wach liege,
höre ich noch dieses Zischen.

Und irgendwo in Köln sitzt eine Frau
mit zwei leeren Taschen vor der Brust
und wartet darauf,
dass endlich jemand kommt,
der sie so nimmt,
wie Gott sie mal hingekriegt hat –
bevor der Schönheitschirurg dazwischenpfuschte.

Und wenn Sie das nächste Mal eine Frau mit Traummaßen küssen –
prüfen Sie vorher die Garantie.
Nicht dass Ihnen die Liebe um die Ohren fliegt.

Zugriffe gesamt: 5