Sehen
Flucht vor der Hölle
Ach, du heilige Scheiße,
ich hätte schwören können,
dass Sex das Größte ist,
seit Gott dem Adam den Pimmel angenäht hat.
Früher war jede Frau für mich ein Jackpot:
zwei Beine auseinander,
rein in die warme Garage
und Vollgas geben,
bis der Tank leer war
und das Grinsen bis zu den Ohren reichte.
Ich war der König der Matratze,
der Hengst mit Dauerticket,
der Typ, der morgens mit Latte aufwacht
und abends mit der gleichen wieder einschläft –
nur dazwischen lag immer eine andere.
Dann kamst du.
Plötzlich war Sex kein Spiel mehr,
sondern ein verdammter Staatsakt.
Vorspiel?
Drei Stunden Kuschel-Terror,
bis meine Zunge taub war
und ich mir wünschte,
ich hätte mir stattdessen den Arsch
mit Schmirgelpapier bearbeitet.
Dann die Hauptveranstaltung:
„Nicht so schnell, nicht so tief, nicht so fest,
warte, ich muss erst kommen,
nein, jetzt nicht kommen, länger, länger, LÄNGER!“
Ich pumpte wie ein Besessener,
schwitzte wie ein Schwein auf der Schlachtbank
und zählte im Kopf die Risse in der Decke,
während du dalagst wie ein nasses Handtuch
und mir erklärtest,
dass mein Schwanz „irgendwie nicht die richtige Wellenlänge“ hätte.
Wellenlänge!
Als wäre mein bestes Stück ein beschissenes Radio!
Und danach?
Danach kam das Tribunal.
„War’s schön für dich?“
Nein, es war die reinste Hölle!
Ich fühlte mich wie ein Gebrauchtwagen
mit zu vielen Vorbesitzern –
abgenutzt, leergetankt
und mit Kratzern an Stellen,
von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe.
Ich lag da, starrte an die Decke
und betete, dass du endlich einschläfst,
damit ich in Ruhe onanieren konnte.
Ja, genau – onanieren!
Das einzige Mal, wo ich noch Herr im eigenen Haus war.
Da wusste ich wenigstens, wann’s vorbei ist,
und musste nicht erst fragen:
„Darf ich jetzt kommen,
oder verstößt das gegen deine feministische G-Spot-Charta?“
Irgendwann war Schluss.
Ich hab die Reißleine gezogen,
bevor mein Schwanz freiwillig in den Ruhestand ging.
Seitdem bin ich geheilt.
Geheilt wie ein Alkoholiker,
der nur noch Wasser trinkt
und beim Anblick einer Flasche kotzt.
Heute Abend war wieder so ein Moment.
Sie lag neben mir, splitternackt,
geil wie ein Stint im Frühling,
und flüsterte:
„Komm, lass uns endlich wieder richtig ficken.“
Ich hab sie angeguckt,
hab den Satz kommen hören,
den ich früher selbst tausendmal gebracht habe –
und dann sagte ich ihn.
Laut und deutlich.
Mit Stolz.
Wie ein verdammter Held.
„Ich hab Migräne.“
Und weißt du was?
Es fühlte sich gut an.
Befreiend.
Endlich mal ich derjenige, der Nein sagt.
Endlich mal ich derjenige,
der die Hölle überlebt hat
und jetzt obenauf ist.
Bleibt sauber, moralisch und anständig, Jungs.
Und wenn’s hart auf hart kommt –
sagt einfach Migräne.
Funktioniert immer.
Und grüßt mir alle, die ihr barfuß trefft.
Ich für meinen Teil
zieh mir jetzt erst mal einen runter.
Allein.
In Frieden.
Ohne Wellenlänge.
Ohne Diskussion.
Einfach nur ich und meine Hand.
Das Paradies ist zurück.