Sehen

Fremde Welten

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Diese Träume.
Ich befinde mich dann
in einer Welt
die ich nicht zuordnen kann
– wer diese geschaffen hat.
Bin ich das?
Wer läßt diese Bilder entstehen?
Wer lenkt und leitet
die Handlungsabläufe?
Wer bestimmt über das
was sich da tut?
Bin ich das?

Erst neulich habe ich wieder
so einen denkwürdigen Traum gehabt.
Da ist mir draußen im Dunkeln
eine Frau begegnet,
die ich sogleich als diejenige erkannte,
die ich schon seit Jahren begehrenswert finde.
Es ist die Tochter unseres Bäckers,
die gelegentlich hinter der Theke aushilft
und auch Kunden bedient,
obschon sie Jurastudentin ist.
Wenn sie mich bedient
ist sie immer freundlich
aber wirkt unnahbar.
Das geht mir immer so durch,
ich spüre, daß ich richtig verliebt bin in sie.
Sie ist groß, schlank,
mit langen blonden Haaren
– und sehr hübsch!

Und hier im Traum, habe ich sie sofort erkannt,
obwohl sie darin schwarze Haare hatte,
eine füllige Figur,
kleiner war
und – um einiges älter.
Aber genauso hübsch.
Ja und sie grüßte mich
– im Dunkeln auf der Straße –,
mit einem Kuß!
Sie trat vor mich hin,
nahm meinen Kopf in ihre Hände
und drückte mir einen saftigen Kuß
auf den Mund.

Aber dann, lachte sie mir ins Gesicht,
entblößte dabei ihre Zähne
– und ihre Zähne waren faulige, schwarze Zähne!
Und ihr Atem roch auch ganz übel.
Dann ging sie einen Schritt zurück,
hob ihren Rock hoch,
den sie unter ihr Kinn klemmte
und urinierte breitbeinig vor mir.
Sie hatte keinen Slip an.
Ich war schockiert
und gleichzeitig lüstern.

Beim Aufwachen fragte ich mich,
warum wir keine Wunschträume träumen.
Warum keine Träume,
in der wir von unseren Wunschpartnern
sexuell nach Herzenswünschen befriedigt werden?
Warum keine Träume,
in der wir auch sexuelle Wünsche erfüllt bekommen,
die im wirklichen Leben unerreichbar sind?
Hätte ich die Möglichkeit
meine Träume selbst zu komponieren,
wüßte ich gut
was ich träumen würde.

– Eine weitere Welt
die der realen fremd ist,
ist die Welt der Drogenräusche.
Es gibt ja Drogen,
die eine derart fremde Wahrnehmung hervorrufen,
die der Welt der Träume nahekommt.
Nur daß wir dann
in einem „wachen“ Zustand sind
und wir das auch wissen,
während des Drogenrausches.

Vornehmlich bei halluzinogenen Drogen
ist die Welt,
die uns dabei erschlossen wird,
eine fremde.
Wir erleben eine Wahrnehmung
die mit der realen Welt
nichts mehr zu tun hat.
Bei Meskalin,
Psylocibin
und LSD zum Beispiel.

– Und noch eine fremde Welt:
Sex in Verbindung mit einer Droge,
die den Sex intensiver,
andersartiger,
ja in unserer Wahrnehmung
„erweiternder“ erlebbar macht.Das geht schon
mit der relativ “weichen Droge“ Marihuana wunderbar.
Das,
was hier gesagt werden will,
ist,
daß wir in einer Welt leben
die wir kennen,
mit der wir vertraut sind–,
doch sollten wir uns klarmachen,
daß es auch noch andere Welten gibt.
Hier sind allein
die Welt der Träume,
der Drogenräusche
und die Welt des Sex
in Verbindung mit einer Droge genannt –,
doch gibt es noch weitere –
fremde Welten.

Zugriffe gesamt: 18