Sehen
Ganz schön quer
Ich kenne sehr nette Person,
ich nenne sie hier mal Carmen.
Sie ist eine quere Person.
Anatomisch als Junge geboren,
ist sie schon seit sehr vielen
Jahren eine Frau.
Eine richtige Frau.
Dabei weiß ich ehrlich gesagt gar
nicht ob sie sich hat operieren
lassen,
oder es noch vorhat.
Das spielt aber eigentlich keine Rolle.
Nicht für mich
und nicht für
die Gesellschaft.
Darin ist sie einfach Frau.
Carmen ist sehr kreativ
und im schauspielerischen Genre tätig.
Zwar auf kleinen Bühnen,
aber dafür live und in grellen Farben.
Sie ist sowas von gut darin,
daß ich jedesmal denke,
sie braucht gar nicht zu spielen,
sie gibt sich eh nur so
wie sie wirklich ist.
Und das ist sowas von echt.
Ja wirklich,
und vonwegen Weiblichkeit.
Carmen ist so sehr Frau wie
selten eine Frau eine Frau ist.
Ihre Weiblichkeit ist einfach atemberaubend anziehend.
Dabei hat sie natürlich eine ganz eigene,
individuelle Art sich als Frau zu geben.
Sie ist darin einfach liebenswert.
Und was ich bei ihr gelernt habe
–,
das ist eine besondere Form von Toleranz.
Ja,
dieses „Dem anderen Menschen sein Anderssein
einfach zu gestatten“ lebt sie wie
kaum ein anderer Mensch.
Gegenüber Heteros,
gegenüber Schwulen & Lesben,
gegenüber allen anderen Menschen
–,
wie auch immer sie sich sehen,
definieren,
oder auftreten.
Denn sie SIND es so,
genauso WIE EIN JEDER MENSCH SICH
SIEHT UND DARSTELLT.
Und was unsere so pseudo-fortschrittlichen „Maßnahmen“ betrifft
–,
von Gendermaßnahmen bishin zu den behördlich
festgesetzten Kategorien „männlich/weiblich/divers“.
Fortschritt?
Carmen hat da ihre ganz eigene
Meinung zu.
Sie sagte mir mal,
auf
der einen Seite ist es schon
ein „gewisser“ Fortschritt,
daß solches politisch umgesetzt ist,
beziehungsweise wird
–,
ebenso wie die sogenannte Frauenquote.
Aber auf
der anderen Seite sind es letztendlich
die Menschen,
die für sich entscheiden wie sie
zu all dem stehen.
Und hier hat sich grundlegend noch
nicht allzuviel getan.
Was Toleranz betrifft,
da spüre sie weiterhin kaum einen
nennenswerten Fortschritt
der Gesellschaft in
der Grundhaltung von queren Menschen.
Das sei genauso wie beim Rassismus,
bei der Haltung gegenüber Menschen mit Behinderungen,
dem allgemeinen Sexismus,
bishin zur speziellen Misogynie.
Die Marginalisierungen sich deutlich spürbar,
und seitens
der Gesetzgebung ist hierbei kein Hebel ansetzbar.
Freie Meinungsäußerung muß man halt gelten lassen.
Ja,
sagte ich,
solange es nicht zum Schaden anderer wird.
–
Aber wie auch immer,
Carmen ist eine Frau von
der so manche Frau sich eine
ordentliche Scheibe Weiblichkeit abschneiden könnte.
Das sag ich jetzt mal so salopp.
Ich kenne mich nicht sonderlich aus
in dieser Thematik.
Die mir weiterhin brisant vorkommt.