Sehen
Generation Drogenhölle
Geneigtes Publikum,
es geht bei der heutigen Analyse
eines deutschen poetischen Werkes
mal nicht um Sexualität,
sondern um ein Thema,
das genauso kontrovers diskutiert
und bisweilen auch schärfstens verurteilt wird.
Ich meine mit „verurteilt"
die gerichtliche Auseinandersetzung.
Sexualität wurde ja früher –
ich sage jetzt mal im 19. Jahrhundert,
zum Beispiel Homosexualität teilweise
bis ins 20. Jahrhundert hinein –
auch gerichtlich verfolgt.
Nun wenden wir uns den Drogen zu.
Und das Interessante ist,
dass der Autor hier davon spricht,
dass die jetzige Generation
ein Übermaß an Drogen nimmt.
Also sie futtert diese Drogen,
wie der Autor es sagt,
fast in sich hinein.
Sie mästen sich mit allem,
was die Hinterzimmerlabore
so produzieren.
Und das ist hochinteressant.
Diese Generation überlebt
diese Drogenhölle.
Man weiß nicht wie,
man weiß nicht,
ob sie in Psychosen abdriftet,
aber sie überlebt.
Interessanterweise spricht der Autor hier nicht davon,
ob es ein Überleben in dem Sinne ist,
dass man sich einen goldenen Schuss setzt,
oder ob es ein Überleben ist,
in dem man zwar lebt,
aber gebrochen in der Gosse existiert.
Das wäre ja auch ein Überleben,
wenn man auch auf eine gewisse Art und Weise vernichtet ist.
Man ist sozial geächtet,
wenn man in der Gosse lebt.
Das ist dann ein kurzer Weg ins Grab,
um es mal so zu sagen.
Aber scheinbar steckt diese Generation
all diese Dinge weg
und hält sich wacker.
Wie macht sie das? Gibt es ein Geheimrezept dieser Generation?
Darüber spricht er nicht.
Man kann auch nur die Vermutung anstellen,
wenn er über diese Generation spricht,
dass er nicht selbst Teil dieser Generation ist.
Das heißt, wenn er Teil dieser Generation wäre,
dann würde der Dialog mit dem Leser
ein anderer sein.
Dann würde er in diesen Zeilen
ein eigenes Erleben hineinsetzen,
was er ja nicht tut.
Er blickt sozusagen
auf diesen Drogenkonsum
von außen.
Es ist eine Betrachtung.
Es ist keine Verurteilung.
Es ist nur ein Konstatieren
des Verwundertseins.
Und lassen Sie es mich so sagen:
Der Staat nimmt ja sehr viel Geld
in die Hand,
um Drogen –
jedenfalls das,
was wir unter Drogen alles subsumiert bekommen –
zu verteufeln
und die Bevölkerung
vom Drogenkonsum abzuhalten.
Dies macht der Autor nicht.
Er hat also kein Anti-Drogen-Gedicht geschrieben,
sondern eher ein Drogenverwunderungsgedicht.
Und wir können über die persönliche Einstellung des Autors
zu Drogen nur spekulieren.
Aber wir können auf jeden Fall sagen,
dass es interessant ist,
dass die ältere Generation
sich über den Drogenkonsum
der jüngeren Generation
so ihre Gedanken macht
und ihn akzeptiert.