Sehen

Geschlechterkampf im Alltag

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Stumm schreit sie aus mir heraus.
Ich sehe ihre Augen des Zorns,
der Wut,
der Verzweiflung.

Jeder Streit, jede Auseinandersetzung ist Krieg.
Krieg zwischen uns –
zwischen Mann und Frau.
Geschlechterkampf.

Auf keinen Fall aber ist es so,
daß ich als Mann immer gewinne –
weil ich als Mann vielleicht der körperlich Stärkere bin.
Nein,
nie und nimmer.

Wir leben ja nicht in der Steinzeit,
wo so etwas auf dieser niederen Basis ausgefochten wurde.
Wo überhaupt –
höchstwahrscheinlich das Patriarchat entstanden ist.
So denk ich es mir.

Wo der körperlich Stärkere
über den körperlich Schwächeren siegte,
wo keine anderen Argumente zählten.

Abgesehen von mir und ihr –
abgesehen von unserem aktuellen Streit –;
ich denke nach,
über all das.

Es ist absurd. Traurig auch irgendwie.

Jahrtausendealtes Patriarchat
hat uns als Menschheit geprägt.

Und wenn wir genau hinschauen,
so hat sich im Wesentlichen nicht so viel getan,
wie immer getan wird.

Frauenemanzipation hin,
Gender her –
an der Basis ist sich alles ziemlich gleich geblieben.

Schaut euch zum Beispiel nur mal
in den Frauenhäusern um…
Kein weiterer Kommentar.

(oder gibt´s etwa Männerhäuser –
aus denselben Gründen?)

Das zum Thema „Häusliche Gewalt“.

Oder die Kriminalstatistiken:
Nicht einmal 5 Prozent aller Strafgefangenen
unserer gesamten Republik sind Frauen!
Und das ist immer schon so gewesen!
Echt jetzt.

Was ist mit Prostitution?
Wer bedient sich hier als Kunde?
Die Frau?

Also auch hier: beachtet die Statistik dazu.

Thema Sexualdelikte:
Schaut in die Statistik.

Und dazu speziell: Thema Vergewaltigung.
Wie oft habt ihr davon gehört,
daß eine Frau einen Mann vergewaltigt hat?

Ach ja: Pornos.
Schon mal reingeschaut?
Ihr wißt was ich meine?

Irgendwie auch wie in der Steinzeit.
Kein weiterer Kommentar.

Thema Krieg: Wer hat diese bisher angezettelt?
Welche Frau hat einen Krieg beschlossen,
erklärt und geführt?

(also auch statistisch gesehen,
versteht sich –, weil,
kann ja sein,
daß eine Frau mal einen Krieg angezettelt hat)

Aber Frauen bitteschön als Soldatinnen,
als Polizistinnen und so weiter –,
also mit der Waffe in der Hand…

Da scheint was nicht richtig zu stimmen.
Oder bin ich blöd?

– Wieso bin ich eigentlich abgeschweift?
Ich wollte doch von unserem Streit berichten.

– Also Elvira ist wütend auf mich,
weil ich mit dreckigen Schuhen
von der Eingangstür durch den Flur
in die Küche gestiefelt bin.

Wo sie gerade zuvor geputzt hatte.
Ohne ein Dankeschön.
Riesengroßes Geschrei!

Ja, und ich –
nach kurzer Entschuldigung –
ihr gleich vorgehalten,
was ich heute alles gemacht und gearbeitet habe:

Einkauf, Getränkekästen geschleppt,
Auto durch die Waschstraße
und zur Werkstatt damit –

Vorbereitungen zum TÜV
und kleinere Reparaturen dazu
die ich erstmal selbst erledigt habe,

Versicherungsfritzen angerufen
und neu verhandelt –

ach ja, den Rasen schon früh am Morgen gemäht!

Auch ohne Dankeschön.

Aber ich mach kein Geschrei,
wenn mir was gegen den Strich geht.

Aber gut, Geschrei ist Geschrei,
sie hört ja dann auch irgendwann damit auf
und macht dann auf eingeschnappt.

Ich muß dann angeschissen kommen
und mich kleinlaut entschuldigen –

also für das Durchlatschen
mit Drecksschuhen durch den Flur –
in die Küche rein.

Nur so kann ich wieder Frieden herstellen.

Ansonsten bleibt sie tagelang beleidigt
und spricht kein Wort mit mir.

Also geb ich – fast immer! –
klein bei
und entschuldige mich.

Und gut is wieder.

– Soviel zum Geschlechterkampf im Alltag.

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