Sehen

Geschlechtsverkehrsphantasien

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Ich hatte schon recht früh diese Gedanken.
Ich war vielleicht elf, oder zwölf.
Da war ich noch nicht sonderlich aufgeklärt.
Nur das Übliche –, daß, wenn Mann und Frau sich „lieben“, ein Kind daraus entsteht.

In der Schule hatten wir damals, Ende der Sechziger, noch keinen Aufklärungsunterricht.
Die Aufklärung fand auf dem Schulhof und auf der Straße statt.
Und die wüstesten Kameraden,
vor allem die, die Schwestern hatten,
waren in ihren vorlauten Informationen zum Thema Sex
(das Wort wurde nur flüsternd rausgelassen)
sehr ausufernd – aber oft auch selbst nicht bestens informiert.

Da waren immer Unklarheiten dabei – bei den Details, wenn es um den reinen „Geschlechtsverkehr“ ging.
(Himmel, was für ein Wortungeheuer!)
Und schon zu dieser Zeit machte ich mir Gedanken.

Über meine Eltern – wie die wohl „damals“…
also wenn ich mir das so ausmalte…
Zudem hatte mich meine Mutter erst mit 40 geboren
und sie war als Frau gesehen…
Nein, besser nicht so genau dran denken.

Ich hab von daher viel mehr andere Personen diesbezüglich ins Visier genommen.
Meine Onkel und Tanten, meine Klassenlehrerin und andere Lehrer…
Die verschiedensten Verkäuferinnen und Verkäufer…
Und alle möglichen Menschen auf der Straße, in der Straßenbahn und in Geschäften.

Mit zwölf war da noch viel Nebel… klar,
aber später, so mit 14, 15 und 16, war ich schon weitaus besser informiert –
was das Thema Sex und Geschlechtsverkehr betrifft.

Und ich weiß noch wie ich im ersten Lehrjahr meiner Kaufmannsausbildung – mit 16 Jahren – meinen strengen Chef mit diesen Gedanken angeschaut habe:
Herr K. hat ja eine Tochter, die Bea, und seine Frau, die kenne ich auch.

Das ist so eine hochnäsige, dickliche alte Schachtel die immer so etepetete tut, abscheulich.
Ja und der Chef, ein bebrillter alter Sack mit Bierbauch und Doppelkinn – häßlich wie die Nacht.

Und diese beiden… also die haben es tatsächlich mal getrieben…
daß da die Bea draus entstanden ist…???
Unglaublich.

Und da ich über eine ausgezeichnete, blühende Phantasie verfüge,
habe ich mir das echt mal so ausführlich wie als ein Filmstreifen ausgemalt.
Igitt…
Aber ohne dem, keine Bea.
Puh.

Und dann meine anderen Vorgesetzten.
Der graue pickelige alte Prokurist,
die über 40jährige, obszöne dicke Buchhalterin,
die junge hübsche Lohnbuchhalterin Fräulein Kwiatkowski,
der Herr vom Tale aus dem Verkauf,
oder die drei Bauzeichner aus dem Großraumbüro.

Ja und letzten Endes Fräulein Linge in der Anmeldung
und der alte Werksmeister in seinem ewigen grauen Kittel.

Alle waren damals im sogenannten besten Alter – alle so zwischen 30 und 45.
Außer die beiden Fräuleins – die waren in den Zwanzigern.

Aber alle kamen mir damals als 16jähriger
sowas von alt und altbacken und stink-spießig vor,
daß ich Mühe hatte, mir die entsprechenden Typen
beim Geschlechtsverkehr mit ihren Ehepartnern vorzustellen.

Und dennoch ging bei einigen meine Phantasie ordentlich durch die Gänge…!
Insbesondere die dicke Buchhalterin, Frau Witzmann –
Ja! sie hieß tatsächlich so!

Eines Tages kam sie in Herrn vom Tales Büro, wo ich gerade saß.
Frau Witzmann brachte Herrn vom Tale immer gern in Verlegenheit mit ihren Obszönitäten.

In herrlichster Ordinärsprache berichtete sie
von dem Film „Das große Fressen“, den sie tags zuvor gesehen hatte.
Und die Details, die sie dazu zum Besten gab, beflügelten sowas von meine Phantasie,
daß ich mir die dicke Buchhalterin bestens beim Geschlechtsverkehr vorstellen konnte…

ja, am Ende war ich da sogar mit beteiligt…
Naja, Frau Witzmann war zwar dick,
hatte aber ein echt hübsches und einladendes Gesicht…
und sie trug immer Kostüme die hauteng ihre drallen Formen zur Geltung brachte.

Was sollte ich da anders… –
Ja, und so zogen sich meine Gedanken
zu den diversesten Geschlechtsverkehren
der diversesten Mitmenschen in meiner Jugend –
und auch später noch im Erwachsenenalter, wie ein roter Faden durch.

Meine Phantasien haben mich immer bestens dabei unterhalten.
Und Fragen dazu – die habe ich bis heute!

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