Sehen
Gespräch unter über 90jährigen
Liebestolle Pfaue nerven ganze Stadt. „Schau mal was hier steht, kannst du dir vorstellen, daß Vögel liebestoll sein können?“ Helga schaute Theo mit zusammengekniffenen Gesichtszügen fragend an. „Grundsätzlich kann ich mir alles vorstellen. Warum sollen Vögel nicht auch liebestoll sein können?“ – „Aber Pfaue, Theo, das sind diese Vögel, deren Männchen sich so aufplustern und bei ihrer Balz ein großes Rad mit ihren langen bunten Federn schlagen, um die Weibchen zu beeindrucken.“ – „Ja und was weiter? Laß sie das doch machen und laß sie vögeln, nach erfolgreicher Balz – ihre Weibchen. Vögel vögeln genauso wie alle Tiere und alle Menschen, und wenn es dort in dieser Stadt mal vermehrt vorkommt – was soll´s. Sollen die Menschen ruhig mal zuschauen und sich Beispiele davon nehmen. Ich finde je öfter je besser, je schillernder je lieber.“ „Theo –, du bist echt unverbesserlich. Ich weiß noch, wie wir uns kennengelernt haben, da gab´s auch so´n Ding mit Vögeln. Ich, in meiner grenzenlosen Naivität und meiner Liebhaberei zu allen Vogelarten, sagte zu dir in einem bestimmten Zusammenhang in Verbindung mit dieser Liebhaberei: Ich bin sehr gut zu Vögeln. Das hatte zur Folge, daß du spontan einen Lachanfall gekriegt hast, den ich dann aber erst im zweiten Moment verstanden habe. Und natürlich sofort knallrot wurde.“ – „Ach Helga, ja, ich erinnere mich, und ich fand das so putzig von dir, vor allem dachte ich, du seist in dieser Hinsicht ein wenig hinterm Mond und womöglich noch „unschuldig“, aber dann – am Abend, weißt du noch? –; dort im Heu bei Bauer Becks, wo wir heimlich übernachteten… da hast du mich aber sowas von schockiert…!“ – „Theo, mach mal halblang, ich habe dich doch nur gefragt, ob du noch ein Jungmann bist, denn ich sei keine Jung-Frau mehr, und von daher wolle ich die Führung beim Vögeln übernehmen.“ – „Na, und das war kein Schock für mich, der noch so unerfahrenen war?“ – „Was weiß ich, aber ich wollte von dir gevögelt werden und habe dich erstmal nur etwas aufgeheizt. Du weißt, wie kalt es mittlerweile in der Scheune war – obwohl es bereits Anfang Mai war.“ – „Ja, und du hast dann erstmal meine Hand genommen und sie unter deinen Pullover an einen deiner Brüste gelegt.“ – „Ja, und dann bist aber du wie toll über mich und wolltest mich auf den Mund küssen.“ – „Aber du hast es verhindert und stattdessen hast du deinen Pulli hochgehoben, mir deine Brüste gezeigt – und ja, wie schön, daß du keinen BH getragen hast – und du hast witzigerweise gesagt, ich solle lieber diese beiden küssen, als deinen Mund.“ – „Das war die Initialzündung zu unserer ersten Vögelei, ja, und diese Nacht im Heu werde ich auch niemals vergessen.“ – „Richtig, und wer hat sich dann in der Woche darauf in der Schule sowas von aufgeplustert, er hätte die schöne Helga rumgekriegt und gevögelt? Und wer bekam das von seinen Klassenkameradinnen brühwarm geflüstert? Ich dumme Gans, die peinlichste Lachanfälle auf meine Kosten über mich ergehen lassen mußte.“ – „Was soll´s Helga, war das aber nicht dann der Beginn unserer wunderbaren Liebesbeziehung?“ – „Ja Theo, das schon –, und: bin ich noch immer gut zu vögeln?“