Sehen

Heute, nie mehr wie gestern

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Gestern, gestern noch gefühlt
Die Heftigkeit, tief – anhaltend!
Kein schöner Schauder mehr – vorbei
Die kleinlichen Süßheiten von
Nichtsnutzigem Verliebtsein
In jedes vorbeilaufende Lächeln
So wenig gekostet, so selten das Wenige
Gespürt –, kaum erblickt, nur erahnt
Die verborgenen Reize einer gewölbten Bluse
Rasendes Entflammtsein eines
Verschämten Kusses wegen – nur zu!
Vorbei, aus und vorbei – die herrlich
Naive Nur-Begeisterung für das schöne
Für dieses schwache – Geschlecht
Entzauberte Verzauberung
Wie rosenverblüht, das Gefühl
Durch der Zeiten gemachte Erfahrung
Nie mehr wie gestern! – heute
Spüren sie stumpfer, die Sinne

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