Sehen
Heute oder nie
Er ist wieder genervt. Ich liebe es, wenn er genervt ist, weil ich denke, dass er dann geil ist. Ich bin in der falschen Kabine, in Nummer sechs, dabei steht auf meinem Schild Nummer acht. Ich liebe es, wenn ich Fehler mache, weil er dann agro wird. Mir kommen schon Situationen in den Sinn, in denen er auch agro sein könnte, und es erregt mich.
Während er agro oder genervt ist, hat er aber auf seinem Gesicht dieses Scheinen. Ich bilde mir ein, dass er mich anziehend findet. Vielleicht zu sehr, so sehr, dass es ihm schwerfällt, seine Arbeit als Physiotherapeut zu machen.
Als wir endlich beide in der Nummer acht sind – er öffnet die Schiebetür, hinter der man einen Ventilator aufgestellt hat, den dreht er jetzt in unsere Richtung – fragt er: „Was machen wir? Wo tut es am meisten weh?“ Ganz ehrlich, es tut mir gar nicht mehr weh, aber ich deute frech auf meinen Po und sage: „Hier tut es am meisten weh.“ Er macht dieses grob- dominante Zeichen mit den Händen, das bedeutet: Auf den Bauch legen.
Ich liebe es, wie er mir die Kleider vom Leib reißt. Er ist dabei auch genervt. „Tun Sie das mal weg.“ Ich ziehe den Rock aus. „Das hier auch.“ Er schiebt grob mein Oberteil hoch, auch den BH. Diesmal merke ich gar nicht, wie er den Slip runter schiebt. Jetzt hat er meine nackte Rückseite von oben bis unten vor sich, und es geht los.
Diesmal bin ich so aufgeregt, weil ich ja noch etwas vorhabe, dass ich nicht entspannen kann. Dafür aber kommt gegen Ende die Erregung ganz plötzlich. Ich mache ein paar Bewegungen, die ihm das verdeutlichen sollen. Ich atme auffallend, muss aufpassen, dass ich nicht laut werde. Linke Backe, rechte Backe, auch auf schmerzhafte Stellen drücken, das ist ja eigentlich sein Job.
Zuletzt fährt er mit beiden Händen richtig fest auf beiden Rücken- und Po -Seiten auf und ab. „So“ sagt er dann und will wieder seinen schnellen Abgang machen, aber ich sage: „Halt!“
Er bleibt stehen mit geröteten Wangen. Hoffentlich nicht nur von der Hitze.
„Ich wollte Ihnen noch etwas geben,“ sage ich.
Ich fange an zu suchen, finde den Zettel nicht, sage „Entschuldigung“. Ich wollte mich ja eigentlich sowieso dafür entschuldigen, dass ich ihm ein unanständiges Angebot mache. Mein Gestammel passt dazu ganz gut.
Endlich finde ich den Zettel, schiebe ihn in seine Hosentasche. Zu Hause hatte ich lange überlegt, ob ich an seiner Arbeitskleidung Taschen gesehen habe, eben zu diesem Zweck.
Ich sage: „Später lesen.“
Er sagt auffallend höflich: „Danke schön.“
Ich habe noch zwei Sitzungen bei ihm gebucht.