Sehen
Hör auf zu denken
Es ist halb vier.
Draußen ist es dunkel,
die Sonne hat schon
Feierabend gemacht.
Die Jalousien sind runter,
sonst glotzt der Nachbar rein.
Der alte Spanner.
Sie hofft, dass der Typ
sich mal an seiner Viagra
verschluckt und abkratzt.
Ihm ist es egal.
Das Neonlicht vom Imbiss gegenüber,
schafft es trotzdem,
sich durch die Ritzen
zu mogeln.
Er liegt da,
der Rücken ist klatschnass,
Auf das die Laken an den Schulterblättern kleben,
und sie sitzt auf ihm,
ohne dass er sich erinnern kann,
wie sie überhaupt angefangen haben.
Ihre Hüften bewegen sich
in einem fordernden Tempo,
„Hör auf zu denken“,
sagt sie,
die Stimme heiser,
die Nägel in seine Brust gekrallt,
„denken ist das,
was dich umbringt.“
Er will lachen,
kriegt aber nur ein Keuchen raus.
Egal, was soll's.
Sein Schwanz pocht,
ist längst über den Punkt hinaus,
an dem Lust noch angenehm ist –
jetzt ist es nur noch Druck.
Sie hebt sich hoch,
lässt sich fallen,
wieder und wieder,
als wollte sie ihn
durch die Matratze
in den Boden rammen.
Schweiß tropft von ihrer Stirn
auf seine Lippen.
„Ich brauche mehr“,
flüstert sie,
nicht bittend,
fordernd.
„Du hörst doch, oder?“
Er versucht,
ihre Hüften festzuhalten,
eine Sekunde Pause zu erzwingen.
Sie lacht nur,
dieses kurze,
trockene Lachen.
Er spürt,
wie sein Körper nachgibt,
Muskeln zittern,
Kreislauf sackt ab.
Trotzdem wird er wieder hart,
weil sie es will,
weil sie ihn dazu zwingt,
indem sie einfach nicht aufhört.
Sie reitet ihn weiter,
schneller,
als würde sie ihn melken.
„Ich bin ein lebender Dildo“,
denkt er.
„Ein Sexobjekt.
Zur bloßen Sexmaschine degradiert!“
Hätte ich nie gedacht,
mal so zu denken.
Der Weg in die Hölle ist
eine Beziehung mit einer Frau,
die selbst im Orgasmus
keine Erfüllung findet.
Und die Moral von der Geschichte?
Jeder Mann träumt von
einer willigen Frau,
die immer für Sex zu haben ist.
Doch keiner macht sich Gedanken darüber:
Was ist,
wenn der liebe Herrgott
ein Einsehen hat
und die Gebete erhört…