Sehen

Ich bin eine Frau!

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Lina sagt,
es sei einerlei
wer es ihr besorgt
–; und wer es auch sei,
sie werde ihn dirigieren.

Lina sagt, die Männer sind nichts weiter
als aggressive Tiere,
die allzu sehr
von ihren Trieben gesteuert sind
–; sie würde sie demnach bändigen
– beim Akt.


Lina sagt, sie sei ein Seismograph,
so empfindsam,
so gefühlsbetont,
daß sie bei jedem Fick
weitaus mehr empfindet
als drei Frauen
und zehn Männer zusammen
–; ihre Orgasmen seien
Vulkanausbrüchen gleich.


Lina sagt, sie spuckt auf Männer
die so rüpelhaft sind
wie Spitzenpolitiker,
so lügenhaft und falsch
–; keinen dieser Wichte
würde sie auch nur
in ihre Nähe lassen.


Lina sagt, ich hole mir meine Männer da,
wo ich gerade bin
–; es gibt überall Männer,
und zu mir hat noch nie einer
nein gesagt.


Lina sagt, es hat was mit dem WIE zu tun,
sie weiß genau
wie sie die Männer anspricht
–; mit welchem Blick,
mit welchen Fragen,
mit welcher Aufforderung.


Lina sagt, sie sei auch gar nicht wählerisch,
was Bildungsstand und Vermögen betrifft
–; sie ginge schonmal
an einem reichen,
gebildeten Intelektuellen vorbei,
und direkt auf den schwitzigen Bauarbeiter zu
der gerade in einer Kolonne
die Straße neu teert.


Lina sagt, sie habe all die Klischees
von Mann & Frau
und dem ewigen Gefasel
von Frauenemazipation satt
–; vor allem die Oberscheiße
vom Gendern.


Lina sagt, kommt her ihr blöden Weiber,
was tut ihr nur so dämlich auf weiblich
–; ich durchschaue jede einzelne von euch Heuchlerinnen!


Lina sagt, Frauen sind ebenso Menschen wie Männer
und bräuchten heutzutage nur Courage
ihre Belange und Bedürfnisse durchzusetzen
–; die fest eingewurzelten Gegebenheiten
des jahrtausendealten Patriarchats,
lassen sich allerdings nicht in wenigen Jahren
– auch nicht in wenigen Jahrzehnten,
mit einem Schwamm wegwischen.


Lina sagt, Frauen und Männer in unserer heutigen Welt
seien sich alle so gleich
wie fabrikgefertigte Töpfe mit Deckeln
–; die Frauen seien die Töpfe,
die Männer die Deckel.


Lina sagt, ich habe mir das,
was ich für mich brauche,
erkämpft
–; und nicht geschenkt bekommen,
und ich habe auch nicht
auf Gesetze gewartet,
die zu Gunsten von Frauen
geändert werden sollten.


Lina sagt, ich gehe gleich in dieses Lokal hier,
und suche mir einen Mann
für die Nacht
–; wenn ich ihn im Hotelzimmer
durch- oder über habe,
ziehe ich mich wieder an
und gehe meiner Wege.


Lina sagt auch –; ich bin eine Frau!

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