Sehen
Ich bin eine Frau!
Lina sagt,
es sei einerlei
wer es ihr besorgt
–; und wer es auch sei,
sie werde ihn dirigieren.
Lina sagt, die Männer sind nichts weiter
als aggressive Tiere,
die allzu sehr
von ihren Trieben gesteuert sind
–; sie würde sie demnach bändigen
– beim Akt.
–
Lina sagt, sie sei ein Seismograph,
so empfindsam,
so gefühlsbetont,
daß sie bei jedem Fick
weitaus mehr empfindet
als drei Frauen
und zehn Männer zusammen
–; ihre Orgasmen seien
Vulkanausbrüchen gleich.
–
Lina sagt, sie spuckt auf Männer
die so rüpelhaft sind
wie Spitzenpolitiker,
so lügenhaft und falsch
–; keinen dieser Wichte
würde sie auch nur
in ihre Nähe lassen.
–
Lina sagt, ich hole mir meine Männer da,
wo ich gerade bin
–; es gibt überall Männer,
und zu mir hat noch nie einer
nein gesagt.
–
Lina sagt, es hat was mit dem WIE zu tun,
sie weiß genau
wie sie die Männer anspricht
–; mit welchem Blick,
mit welchen Fragen,
mit welcher Aufforderung.
–
Lina sagt, sie sei auch gar nicht wählerisch,
was Bildungsstand und Vermögen betrifft
–; sie ginge schonmal
an einem reichen,
gebildeten Intelektuellen vorbei,
und direkt auf den schwitzigen Bauarbeiter zu
der gerade in einer Kolonne
die Straße neu teert.
–
Lina sagt, sie habe all die Klischees
von Mann & Frau
und dem ewigen Gefasel
von Frauenemazipation satt
–; vor allem die Oberscheiße
vom Gendern.
–
Lina sagt, kommt her ihr blöden Weiber,
was tut ihr nur so dämlich auf weiblich
–; ich durchschaue jede einzelne von euch Heuchlerinnen!
–
Lina sagt, Frauen sind ebenso Menschen wie Männer
und bräuchten heutzutage nur Courage
ihre Belange und Bedürfnisse durchzusetzen
–; die fest eingewurzelten Gegebenheiten
des jahrtausendealten Patriarchats,
lassen sich allerdings nicht in wenigen Jahren
– auch nicht in wenigen Jahrzehnten,
mit einem Schwamm wegwischen.
–
Lina sagt, Frauen und Männer in unserer heutigen Welt
seien sich alle so gleich
wie fabrikgefertigte Töpfe mit Deckeln
–; die Frauen seien die Töpfe,
die Männer die Deckel.
–
Lina sagt, ich habe mir das,
was ich für mich brauche,
erkämpft
–; und nicht geschenkt bekommen,
und ich habe auch nicht
auf Gesetze gewartet,
die zu Gunsten von Frauen
geändert werden sollten.
–
Lina sagt, ich gehe gleich in dieses Lokal hier,
und suche mir einen Mann
für die Nacht
–; wenn ich ihn im Hotelzimmer
durch- oder über habe,
ziehe ich mich wieder an
und gehe meiner Wege.
–
Lina sagt auch –; ich bin eine Frau!