Sehen

Ich habe lange darüber nachgedacht

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Da schaust du, was?
Ja, schau dir das Bild an.
Schau es dir ganz genau an.
Was siehst du?
Eine Frau?
Ja, eine Frau.

Aber was noch? Bekleidet oder unbekleidet,
spärlich bekleidet oder wie auch immer –
das meine ich nicht.
Geh ein wenig tiefer.

Ja, tauche ein in das Bild.
Eine junge Frau, sagst du?
Ja, aber warum?
Warum immer eine junge?
Hast du es mal überlegt?

Und hübsch ist sie auch?
Ja, möglicherweise sogar eine Schönheit.
Auch immer.
Aber warum?

Überleg doch mal, stets jung & hübsch.
Noch was?

Ja, verlockend. Was heißt das, verlockend?
„Und ewig lockt das Weib?“,
oder was?

Ja, das könnte schon sein.
Ist aber nicht so.
Wieso sollte so eine Frau
dich locken wollen?

Ja, schauen, sehen und genießen.
Einen solchen Anblick.
Das hat etwas.
Das gebe ich gerne zu.

Schönheit, wo immer sie uns begegnet
ist etwas Erhebendes.
Und Schönheit ist selten.
Das wissen wir.

Nun denn, aber da ist noch mehr.

Ist es eine Art Magie,
die entstehen kann,
wenn wir uns darauf einlassen,
uns solch ein Bild tiefer zu betrachten.

Mit einigem Nachdenken?
Ja, sicher.

Wir sind davon überzeugt,
daß die Frau der schönere Mensch ist.

Sehen wir deshalb im Alltag ständig schöne –
und meist junge Frauen,
in den Schaufenstern,
in den ausgestellten Magazinen,
in Lokale an den Wänden –,
und so weiter?

Und da fragen wir uns doch,
warum ist das so?
Was wollen diese Bilder uns eigentlich damit sagen?

Ist es eine Kampagne?
Ein Trent?
Eine Mode?

Oder ist es eine Art Diktatur
der Vermarktungsindustrie,
nach dem Motto „Sex sells“?

Ja, das könnte doch immerhin sein, oder?

Denn, sexy, wie man so schön sagt,
sind diese Bilder von hübschen jungen Frauen allemal,
nicht wahr?

Oder hat es einfach mit unserem Zeitgeist zu tun,
daß wir in einer Zeit leben,
in der gerade solches angesagt ist,
und fertig?

Diese Bilder sollen mich auf irgendeine Weise
„beeinflussen“, kann das sein?
– Aber weißt du,
ich mache mir nichts mehr draus.

Ich habe mir immer wieder diese Frage gestellt,
und bin, so wie ich es dir gerade geraten habe,
tiefer eingetaucht in diese Bilder,
die mich immer so faszinieren!

Und weißt du, ich bin zu der Erkenntnis gekommen,
daß es mir schnurz-piep-egal ist,
was dahintersteckt,
oder hinterstecken könnte.

Ich bin und bleibe von diesen schönen Bildern
von jungen hübschen Frauen fasziniert!
– Ja, warum auch nicht?

Schönheit ist Schönheit.
Und selten, nicht wahr?

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