Sehen

ich sah sie von weitem

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Ich sah sie von weitem.
Sie war meine heimliche Liebe.
Ich war 14, als ich
mich das erste Mal in
sie verliebte.
Damals wußte ich das nicht.
Also das mit dem Verlieben.
Ich hätte damals nicht gedacht,
geschweige denn gesagt:
Ich bin verliebt in sie.
Es war eher so,
daß ich einfach nur fasziniert
war von ihr.
Ich sah sie so gerne an,
ich beobachtete sie bei all dem
was sie tat,
wenn ich die Gelegenheit dazu hatte.
Vor allem aber: unauffällig!
Es durfte keiner erfahren,
daß ich so sehr für sie schwärmte.
Alles was sie umgab,
mit wem sie sprach,
was sie zu wem sagte –
ich habe es einfach eingesogen
wie eine leckere kalte Cola
mit dem Strohhalm aus einer Colaflasche.
Und ihren Namen – Jutta –
habe ich immer wieder vor mich hin gesagt.
Ich fand den Namen natürlich ganz besonders hübsch.
So wie ich alles an Jutta hübsch fand.

Sie war in unserer Parallelklasse.
Aber manchmal hatten wir auch Unterricht Klassenübergreifend
und dann war Jutta auch in der Klasse
in der ich saß.
Oder ganz klasse war dann später,
als wir für zwei Wochen ins Schullandheim
auf Klassenfahrt waren.
Unsere Klasse und die Parallelklasse zusammen.
Und abends gab es dann immer eine Art Disco.
Es wurde Musik gespielt
und es wurde auch getanzt.
Also die, die sich trauten.
Da war es dann manchmal so,
daß nur Mädchen auf der Tanzfläche waren,
weil die Jungs sich dazu nicht hergaben,
weil sie – entweder zu schüchtern –,
oder zu blödsinnig waren,
weil sie das unter sich abtaten,
weil´s doch nur eine uncoole Kinderei sei.
In Wirklichkeit war es aber so,
daß die Mädchen schon viel reifer waren
als wir Jungs
und wo wir noch Cowboy und Indianer gespielt haben,
waren die Mädchen schon an Jungs interessiert.
Aber natürlich nicht an Jungs aus der eigenen Klasse,
sondern Jungs die zwei Klassen höher waren
und entsprechend älter und reifer.
Tja, und das kam dann auf der Tanzfläche heraus.

Und doch tat ich dann das,
was keiner für möglich hielt:
ich betrat die Tanzfläche
und forderte ein Mädchen zum Tanz heraus.
Natürlich nicht gleich Jutta.
Ich forderte die dünne Susanne
mit den langen hellblonden Haaren auf,
deren weiße Bluse so hauchdünn war,
daß man ihren weißen BH
in dem ihr kleiner Busen steckte,
gut erkennen konnte.
Im Gegensatz zu ihr hatte Jutta schon
einen enorm entwickelten Busen.
Und auch sonst hatte Jutta eine dralle,
weibliche Figur.
Das durfte ich einmal beim Schwimmunterricht bestaunen,
als sie da so im Bikini
mit ner Freundin gibberte.
Puh, und der Tanz mit Susanne hatte immerhin den Effekt,
daß nach mir,
mindestens drei oder vier andere Kameraden von mir
so mutig waren,
es mir nachzutun
und ihrerseits auch Mädchen zum Tanz aufforderten.
Nur blöd, daß der Klassenstärkste – Friedrich –,
Jutta zum Tanz aufforderte.
Und sie nahm tatsächlich an
und tanzte mit ihm.
Dann kam auch noch It´s all over now Baby Blue“
von Them aus den Lautsprechern
und der Friedel drückte Jutta dabei fest
an seinen Körper.
Das konnte ich genau sehen.
Die übrigen Tanzpaare habe ich kaum wahrgenommen,
ohnehin war der Raum stark abgedunkelt.

Susanne, die schon in Sachen Blues-Tanz erfahren war,
legte ihre Arme um meinen Hals,
ihren Kopf gegen meinen
und ihren Unterleib – auch gegen meinen…!
Und da kam die große Peinlichkeit herangeschlichen:
Ich bekam einen Ständer!
Mehr und mehr wuchs an mir etwas immer härter an,
das an Susannes Unterleib drückte.
Sie muß es deutlich gespürt haben,
aber sie drückte weiterhin ihren Körper dicht an meinen
und ich fragte mich,
was sie dabei dachte – oder fühlte…!
Ich war wohl feuerrot geworden
und schwitzte jetzt noch unnötiger
und oberpeinlicherweise.
Auch das mußte Susanne bemerkt haben.
Meine Atmung wurde unregelmäßig
und ich erwartete sehnsüchtig den Schluß des Liedes,
aber der Sänger sang und sang weiter,
und der Sound wollte nicht ausklingen.
Ich schielte verstohlen nach Jutta und Friedel,
die ohne mich wunderbar klarzukommen schienen.
Das Gefühl mit einem Mädchen eng an eng umschlungen
langsame Tanzbewegungen zu machen,
meine Hände an ihre schlanken Hüften zu legen,
war für mich so neu wie überwältigend.
Aber das stärkste war ihr Mädchenduft.
Ihre Haare, ihre Haut,
alles an ihr war ein einziger betörender Duft,
und die Situation konnte ich kaum mehr aufrecht ertragen.

Irgendwann war das Lied zuende
und ich wollte mich von Susanne losmachen.
Aber sie ließ es nicht zu,
hielt mich weiterhin fest an sich gedrückt
und auch ihre Hände waren noch immer hinter meinem Nacken.
Erst jetzt nahm ich ihren verlockenden Mädchenduft
in seiner Gesamtheit wahr,
unsere Wangen waren fest aneinandergepreßt
und ich neigte meinen Kopf etwas herunter
in Richtung ihres Halses –
und dann hinter ihr Ohr.
Hier war der betörende, unwiderstehliche Duft,
am stärksten.
Ich weiß nicht mehr genau wie es dann weiterging,
ich weiß auch nicht mehr,
ob Susanne mich gut fand,
oder sich nur einen Spaß mit mir und meiner Erektion machen wollte,
ich weiß nur,
daß ich in diesen Momenten Jutta völlig vergessen hatte.
Diese erste Mädchenduft-Erfahrung,
die mich so sehr erotisierte,
blieb mir für immer in der Erinnerung.

Zugriffe gesamt: 33