Sehen
Interessanter Fall von Solidarität
Viktoria war mit allen nur möglichen schmutzigen Wassern gewaschen.
Und sie war vor nix fies.
Sie machte, was man so salopp sagt – alles.
Dabei waren die Frauen,
die sich der langen Alle entlang
auf der Straße prostituierten,
nicht besonders gut auf sie zu sprechen.
Sie schnappte ihnen allzu oft
die besten Kunden weg –
die, die am besten
und am großzügigsten bezahlten.
Man nannte sie hier allgemein Ficki –,
nicht mit einem weichen W
bei der Abkürzung ihres Namens –
Vicki, nein – Ficki.
Das machte Viktoria aber gar nichts aus.
Und da sie eben alles machte –,
hatte sie auch stets am besten verdient
und trug sich von den anderen Frauen
in gewisser Weise Neid und Mißgunst ein.
Also was ihren Verdienst betraf.
Ja, und von den Kerlen
wollten alle am liebsten Viktoria.
Eines Tages… Aber das ist hier keine Geschichte für Voyeure,
bei der Details zum Besten gegeben werden.
Nein, das, worauf diese Geschichte hinausläuft
ist das, was Prostituierte zusammenhalten läßt –
auch wenn es, wie bei Viktoria,
es sich um eine Kollegin handelt,
die man eigentlich am liebsten
aus den Reihen kicken möchte.
Ei, wie war das noch gleich…
Ja, da war so ein Kunde,
so´n schmierbäuchiger Endfünfziger,
der hatte Viktoria einen Vorschlag gemacht,
den Viktoria unmöglich ablehnen konnte,
und so zog dieser Schmierlapp,
Viktoria, die dicht am Straßenrand stand,
in seinen Mercedes Cabrio.
Der Deal war ungefähr so:
während er flott und geschmeidig
die kaum belebte Landstraße entlangfuhr,
sollte sie ihn flott und geschmeidig
mit Mund und Zunge –
also während der Fahrt.
Und da Viktoria wie gesagt,
vor nix fies war,
war sie einverstanden,
steckte das vereinbarte Geld
in ihre Handtasche
und begann sogleich
die Knöpfe seiner Hose –
und so weiter.
Es ging dann so aus,
daß der Fettsack
nach genossener Dienstleistung
seitens Viktoria,
sie mitten auf der Landstraße
mit einem derben Tritt rausstieß,
ihre Handtasche aber,
mit Gewalt an sich nahm
und davonfuhr.
Das einzig Gute war,
Viktoria konnte sich noch
das Kennzeichen merken.
Sie tippelte dann heulend zurück
zu ihren Kolleginnen
und berichtete das Geschehene.
Eine ihrer Kolleginnen, Christa,
hatte gute Verbindungen zur Bullerei
und andern tags schon,
wußten die Mädels
Namen und Adresse des Fettsacks.
Was glaubt ihr wohl was die
mit dem Schmierlapp gemacht haben?
Natürlich gingen alle zusammen hin
zu dem Fettsack.
Natürlich brauchten sie keinen Mann dazu.
Natürlich fand er sich tags darauf
im Krankenhaus wieder.
Und natürlich waren sein Schwanz
und seine Eier
die Hauptgeschädigten
seiner lädierten Körperteile.
Ob diese Teile in absehbarer Zeit
noch funktionstüchtig wurden,
ist nicht überliefert.