Sehen

Ja warum wohl?

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Warum fahren die Nonnen so gerne Fahrrad?
Diese Frage hatte mir mal mein Cousin Karl-Heinz gestellt
als ich 13 Jahre alt war.

Hm… was sollte diese Frage, dachte ich.
Natürlich kam ich nicht drauf.
Dann fing er so seltsam zu kichern an
und ließ mich erstmal im Unklaren.

Und weil Karl-Heinz,
der vier Jahre älter war als ich,
so eine spannende Nummer draus gemacht hatte,
wurde ich furchtbar neugierig.

Ich wollte unbedingt wissen warum!
Also dachte ich nach…

Der Kindergarten in dem ich früher war,
wurde von Nonnen geleitet,
und gehörte zu unserer katholischen Kirchengemeinde.

Die Schwester Oberin, Schwester Agathe,
war leider schon verstorben,
aber Schwester Ursula,
eine der jungen Ordensschwestern,
die ich früher auch so gern mochte,
die könnte wohl noch im Kindergarten arbeiten!

So gedacht, ging ich tags darauf nach der Schule hin.

Es war ein klasse Gefühl
nach Jahren den Kindergarten wieder zu betreten.

Die kleinen Stühlchen,
die kleinen Tischchen…

Die süßen Haken im Flur
mit den Tierbildern dran,
wo jedes Kind seinen eigenen Haken mit Tierbild
für seine Anziehsachen hatte…

– Ja und da kam mir auch schon Schwester Ursula
in vollem Ornat,
auf dem Flur entgegen,
lächelte mich an
und begrüßte mich:

„Aber Wolfgang, das ist ja eine Überraschung!
Daß du uns mal besuchen kommst!
Wie schön.
Komm in den Gruppenraum,
in den du früher auch warst
und begrüße die Kinder.“

Da war ich natürlich ganz dabei.

Die Kinder begrüßten mich „Großen“ herzlich
und ich tat natürlich auch groß
und begrüßte sie wie ein Erwachsener.

Nach einigen Spielchen
die ich mitgemacht habe,
fragte ich Schwester Ursula,
ob ich ihr eine Frage stellen dürfe.

„Aber natürlich“, antwortete Schwester Ursula.

Als ich sie dann noch bat,
dafür raus zu gehen,
auf den Hof,
wurde sie etwas stutzig
und fragte,
ob ich zuhause Probleme hätte,
aber ich beruhigte sie
und sagte,
es sei nur eine Frage die ich wissen wollte
und die mit meiner Familie nichts zu tun hat.

Schwester Ursula war einverstanden,
sie erhob sich,
nahm mich an die Hand – ganz so wie früher –
und ging mit mir ins Oberinnenzimmer,
um die Oberschwester zu bitten,
sie für einige Minuten in ihrem Gruppenraum zu vertreten.

Ja, und all das klappte sehr gut
und nach wenigen Minuten
stand ich mit Schwester Ursula auf dem Hof.

Sie zeigte sich hier ein wenig ungeduldig
und fragte mich,
was ich für eine Frage hätte,
die ich nicht im Gruppenraum an sie stellen wollte.

„Hm…“ machte ich, und eine kurze Pause trat ein
in der ich mich erstmal sammeln mußte.

Denn an dieser Stelle wurde mir irgendwie mulmig.

Wer weiß was Karl-Heinz da
mit dieser Frage mit mir anstellte…!

Und dann haute ich´s raus:

„Schwester Ursula, warum fahren die Nonnen eigentlich so gerne Fahrrad?“

PATSCH.

Eine fette satte Ohrfeige
war die Antwort von Schwester Ursula.

Mit dazugehöriger Anmerkung,
sie werde darüber mit meinem Vater sprechen,
und mit dem Schlußpunkt,
daß sie mir einfach kommentarlos den Rücken kehrte
und ins Gebäude zurückkehrte.

Und ob ihr´s glaubt oder nicht,
eine Aufklärung wurde mir
erst gut ein oder zwei Jahre später gewährt,
als mich ein Freund dahingehend aufklärte.

Zugriffe gesamt: 5