Sehen
James Brown kommt gut
Sie hatte ihm etwas
in Aussicht gestellt.
Das war letzte Woche
in der Disco.
Sie war neu hier.
Er hatte gebaggert
auf Teufel komm raus.
Und sie war anfangs
trotzdem eher zurückhaltend,
aber er hat einfach
weitergemacht.
Weitergebaggert.
Sie auf die Tanzfläche
gezogen.
Und ach, da merkte
er sofort –
hier hatte er etwas
danebengeschossen.
Sie war eine ausgezeichnete
Disco-Tänzerin,
das sah man sofort.
Und er –
eher so knapp
unter Durchschnitt.
Und als dann noch
Stayin´ Alive
von den Bee Gees
aufgelegt wurde –
da kam er sich
so richtig verloren vor.
Er spürte irgendwie,
daß die Tanzfläche
sich immer mehr leerte,
aber er konnte doch
nicht weg von ihr,
die er hier auf
die Fläche gezogen hatte…
Und dann kam die Show:
sie tanzte umwerfend,
immer besser,
immer professioneller –
und er –
immer dilettantischer,
immer schlechter.
Schon aus Unsicherheit.
Und das war wohl
der Grund, warum sich
die Tanzfläche mehr und mehr
lichtete.
So wurde er mit ihr
zu einem Event,
für die, die jetzt
nur zuschauten.
Und daß sie beide
nicht harmonierten –
er so dilettantisch,
sie so professionell tanzte,
das schien ja gerade
der Kick.
Und wenn unter den Zuschauern
noch welche waren,
die beobachtet haben,
wie er sie auf
die Tanzfläche gezogen hat…
ach je! –
Die Bee Gees hatten jetzt
aufgehört und es ging
nahtlos in… –
ja, eben –
in Sexmachine von James Brown
über.
Das war der Hammer
der Peinlichkeit für ihn.
Sie, die wohl auch alles
bemerkt hatte,
was zu bemerken war,
fühlte sich immer mehr wohl
beim Tanz,
und wie ihr nun die Peinlichkeit
ihres Tanzpartners klarwurde,
da tat sie genau das,
wovor er die meisten Ängste hatte:
sie nahm ihn bei der Hand
und zog ihn an sich
und tanzte diese Sexmachine-Nummer
sowas von klasse…!
Aber eben nur sie.
Die lächerliche Figur,
die er dabei zeigte,
war einfach kaum zum aushalten.
Sie tanzte, wirbelte,
ihr Kleid flatterte umher,
und teils bei Drehungen so,
daß man dabei ihren Slip sah.
Und immer wieder zog sie ihn
an sich
und immer wieder versuchte er,
was er so gar nicht
imstande war.
Mitzuhalten.
Halbwegs mitzuhalten.
Von den Zuschauern begannen nun
einige zu klatschen
und es wurde dann
immer mehr geklatscht.
Und die Zeit…
wieviel verdammt lange Minuten
dauert diese Sexmachine…?!! –
Es wollte nicht enden.
Doch irgendwann endete sie dann doch,
und der Discjockey war so findig
und legte eine Pause ein.
Das heißt, er ließ nicht wie gewohnt,
einen weiteren Song nahtlos
in Sexmachine übergleiten,
nein, hier machte er einen Cut
und es herrschte kurze Stille
im Raum.
Die sofort unterbrochen wurde
von einem heftigen lauten Beifall
der Zuschauer.
Er hätte im Boden versinken wollen.
Seine Ambitionen zum Weiter-Baggern
hatten sich verflüchtigt.
Und das was sie ihm
in Aussicht gestellt –
das konnte er nun überhaupt nicht mehr
entgegennehmen –
und einlösen…