Sehen

Junggesellenbude

Luiz Goldberg

Es ist interessant,
dass Männer und Frauen
unterschiedliche Vorstellungen
vom Leben in einer Wohnung haben,
in der man nur alleine lebt
als Junggeselle.

Ich weiß gar nicht,
wie der entsprechende Begriff
für eine Frau wäre,
die alleine lebt.
Alte Jungfer,
dazu müsste sie ja schon,
weiß ich nicht,
jenseits der 50 sein,
aber ein junges Mädchen,
das alleine lebt,
dafür gibt es komischerweise
keinen eigenständigen Begriff.

Denn ein Junggeselle,
das ist auch ein Mann mit,
sagen wir,
25 Jahren,
aber so eine Junggesellenbude
hat doch ihr eigenes Flair.

Die Bierdosen liegen
halb geöffnet
oder besser gesagt
halb zerdrückt
und leer getrunken
auf dem Tisch.

Rotzfahnen voll Wichse
liegen verstreut
im Zimmer herum.

Ein paar Unterhosen
ungeordnet
auf dem Stuhl.

Und man weiß, hier haust ein Mann,
der sich keine Gedanken
um die Ordnung macht.

Selten würde eine Frau
so leben.

Ja, auch eine Frau kann unordentlich sein,
aber sie würde immer noch
eine gewisse Form von Verbindlichkeit
in ihrer Wohnung haben.

Man würde keinen Schock bekommen,
wenn man ins Zimmer träte.

Viele Männer können sich gar nicht vorstellen,
welchen Ekel sie bei Frauen auslösen,
wenn sie siegestrunken
eine Frau zu sich nach Hause abschleppen,
ohne vorher aufgeräumt zu haben.

So manch kühner erotischer Held
implodierte
in der Vorstellungswelt der Frau,
wenn sie sah,
wie dieser Kerl hauste.

Gut, manche Frauen reagieren anders
und dann wird der Mutterreflex ausgelöst.

Und sie fängt an aufzuräumen,
abzuwaschen.

Der Mann ist irgendwo ganz zufrieden,
weil er eine Sklavin gefunden hat,
eine Hausdienerin.

Aber es gibt einen Punkt,
wo ein Mann neurotisch reagiert,
wenn die Frau es wagt,
seinen Schreibtisch aufzuräumen.

Dies ist ein Heiligtum,
das unordentlich zu bleiben hat.

Denn auf ihm herrscht eine Ordnung höherer Art,
die nur ein Mann versteht.

Aber kommen wir zurück dazu,
dass ein Mann mit Unordnung leben kann.

Er fühlt sich nicht dreckig
in seinem Drecksloch
im Gegensatz zu einer Frau,
die Nervenzusammenbrüche bekommt,
wenn in der Küche der Herd nicht sauber ist,
der Müll nicht runtergetragen wurde
und in der Wohnung stickige Luft ist,
weil schon lange nicht mehr gelüftet wurde.

Das Problem an der ganzen Sache ist,
dass Frauen sich verpflichtet fühlen,
dieses Chaos zu beseitigen.

Und hinterher machen sie dem Mann Vorwürfe,
dass er es nicht selbst getan hat.

Ohne zu begreifen, dass dem Mann so etwas
schlichtweg egal ist.

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