Sehen

Kaleidoskop

Skorpion

Farben und Muster verändern sich mit jeder Drehung.
Splitter aus Licht fallen neu zusammen,
als hätten Hände des Zufalls sie neu geordnet.
Kein Bild bleibt lange, kein Augenblick kennt Wiederholung.
Immer wieder neu.
Mensch und Liebe im Wandel.
Zwei Stimmen, die sich suchen
zwischen gestern und morgen,
zwischen Nähe und dem leisen Verlust dessen, was einmal
Gewissheit war.
Bei jedem neuen Abzweig verändert sich das Alte.
Wieder einmal neu kreiert.
Schatten der Erinnerungen tragen, versuchen wir zu begreifen,
was gerade noch war.
Worte verlieren ihren ursprünglichen Klang
und Berührungen werden zu Spuren auf der Innenseite der Haut.
Das Neue wird bunter oder stirbt.
Manchmal leuchtet es wie ein geöffnetes Fenster
im ersten Morgenlicht,
manchmal zerfällt es lautlos zu Staub aus Möglichkeiten.
Und doch drehen wir weiter,
halten das Kaleidoskop unseres Lebens, das fragile Rohr aus Sehnsucht
gegen die Sonne, um für einen Atemzug
zu glauben, dass Ordnung existiert im Chaos der Gefühle.
Denn jeder Mensch trägt ein eigenes
Kaleidoskop in sich:
gefüllt mit Bruchstücken aus Liebe und Hoffnung,
aus Enttäuschung und Schmerz,
Nähe und Abschied.
Mit allem was zerbrochen ist und dennoch fähig bleibt,
für einen kurzen Moment etwas Schönes zu ergeben.
Vielleicht ist Liebe genau das.
Nicht das Bleiben eines Bildes,
sondern die Kunst, aus Bruchstücken etwas Ganzes zu formen,
im ständigen Wandel immer wieder Farben zu erkennen,
wo gestern nur Scherben lagen.
Wir drehen weiter an unserem inneren Kaleidoskop,
um besseres Licht einzufangen, neue Farben zu entdecken,
auf der Suche nach Inspiration, in einem Leben,
das grau geworden ist, alltäglich, langweilig, fade.
Der Mensch, immer mit dem Streben nach mehr, nach besserem.
Nur um am Ende festzustellen, dass das Beste bereits vorhanden war,
leider nur aus dem falschen Blickwinkel betrachte, im falschen Licht.

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