Sehen
Kein Altar für die Liebe
Es gibt einen interessanten Spruch,
was Beziehungen betrifft,
und zwar lautet der,
der eine liebt,
der andere weiß es.
Jetzt ist die große Frage,
wollen wir derjenige sein,
der liebt
oder wollen wir derjenige sein,
der es weiß.
Es ist ein großes Dilemma,
weil wir wollen ja
Schmetterlinge im Bauch fühlen
und das Schlimme ist,
dass Verliebtsein
nichts weiter ist
als das Ergebnis
einer körpereigenen Droge,
die im Kopf wütet
und wir sind süchtig danach.
Doch wenn diese Droge wütet,
dann sind wir der,
der liebt
und der andere ist cool.
Damit hat der andere natürlich
irgendwo die Hosen an,
aber er leidet darunter,
weil er ja selber
dieses Glücksgefühl haben will,
was ihm aber verwehrt ist,
weil er es ja nur weiß.
Tja, damit sind wir
in diesem großen Problem drin,
dass man gerne
seinen Partner überhöht,
denn Verliebtsein gründet sich eben
auf dieser Überhöhung,
auf diesem Idealbild,
das man entwirft. Du bist mein Licht,
mein Alles,
mein Universum.
Sie wird zur Göttin verklärt
und er zum Helden.
Man opfert Zeit, man investiert Energie
und man inszeniert kleine Lügen,
um das Idealbild zu erhalten,
das man beim Anderen geschaffen hat.
Denn, ich sage jetzt mal,
das Gefühl geliebt zu werden,
ist auch sehr angenehm.
Aber wie ist die Realität?
Sie schnarcht
und er vergisst
den Müll rauszubringen.
Bei unseren heutigen
feministisch eingestellten Frauen
ein No-Go.
Das Problem, wer das ausspricht,
gilt schnell als Spielverderber.
Nicht die Botschaft ist das Problem,
sondern der,
der die Botschaft überbringt.
Und mit der Zeit wird die Anbetung also zur Last
und man merkt,
der Andere ist kein Übermensch.
Er atmet dieselbe Luft ein
wie man selbst,
er stolpert durch denselben Alltag,
der Streit um die letzte Tasse Kaffee
und um verschnarchte Nächte
statt Träume sind die Folge.
Wo am Anfang Verliebtheit war,
herrscht jetzt Routine.
Manche flüchten dann in Fantasien
und sie bauen sich
neue Idealbilder auf.
Aber auch diese halten nicht ewig.
Und am Ende bleibt die Einsicht,
wir sind keine Götter.
Aber vielleicht machen sie es andersrum.
Die Macken, die sie vorher genervt haben, sind jetzt die Dinge,
die sie am Anderen lieben.
Sehen Sie den Partner als Mitstreiter,
nicht als Erlöser,
und denken Sie daran,
Enttäuschung ist das Ende der Täuschung.
Wenn sie sich also lernen zu sehen,
wie der Partner tatsächlich ist
und wenn sie es schaffen,
den Anderen in seinem wahren Selbst zu lieben,
dann ist das der Beginn
einer wunderbaren Liebe.