Sehen

Kino

André Pfoertner

(aus dem Gedichtband "Cogitative Erotik")

Im Kino waren wir unlängst.
Ich möchte, dass Du daran denkst:
Mae Western. Schwarz-weiß. Holzgestühl
Von anno dazumal, sehr hart.
Doch zwischen uns zwei war Gefühl -
Und dieses war so zart, so zart.
Auf Leinwand schwarz und weiß sich gattet.
An mich geschmiegt Dein rechtes Bein.
Kontur’n im dunklen Raum umschattet
Vom alten Projektoren-Schein.
Ein Knistern fühlt’ ich in der Luft,
Da Stirn auf Wange, Hand auf Knie.
Betört von Deinem Parfüm-Duft
Sah ich "My little chickadee."
Mae West schoss Reiter von den Pferden.
Doch was würd’ mit uns beiden werden?
Wir, die wir nur von uns gefangen.
Die Wucht von Süße lag im Mund.
Nach Lippen spürte sie Verlangen.
Und dunkel war es, weich und rund.
Dein Mund, der Liebesworte scheut,
Bei diesem Western-Zelluloid
Sich plötzlich mir entgegendrängt.
Der Filmmaschine leises Rattern
Bei dem man spendet und empfängt,
Wenn Zungen in den Mündern flattern.
Indianerjohlen, Schreie, Schüsse -
Doch eingehüllt war’n wir in Küsse.
Und Deiner Lippen schwarz’ Umrandung
Wurd’ weggewischt und fortgespült
Wie Sandfiguren in der Brandung.
So hab’ ich diesen Rausch gefühlt.
Als hämmerte mein Puls mit Stärke
Las meine Hand, stark aufgereizt,
Die Blindenschrift vom Strumpfnetzwerke
Auf Schenkeln, die Du willig spreizt.
Durch dünner Strümpfe Filigran
Da fühlte ohne Überlegung
Ich bebend warme Feucht nah’n -
Heiß - auf dem Gipfel der Erregung.
Zart’ Hand mit Nägeln violett
Gab meiner Nachdruck noch kokett.
Vorbei - glatt war Dein Rock gestrichen.
Dein Ring wurd’ auf und ab geschoben.
Die Spannung angenehm gewichen,
Die Stimmung nicht gesprächig, doch gehoben.
Na, Pessimistin, positiv gestellt?
Ja, Liebe ist das Schönste auf der Welt.
Drum warte süchtig ich zum Schluss
Schon auf den nächsten Zungenkuss.

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