Sehen

Körperlich

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Überwältigend.
Der Zustand der unaushaltbar scheint.
Körper trifft auf Körper.
Weiblich auf männlich.
So neu, so –
wie gar nicht geahnt.
Wie das Anfühlen ist,
das streichen mit Fingerspitzen
über Haut, die duftet
wie die Natur nur so etwas
bereithalten kann, und streng achtsam,
ohne zu fest,
ohne zu lasch,
einfach der Intuition nach –
so wie es der andere Körper
erwartet und somit bekommt,
und dankt, durch seine körperliche Erwiderung –
mit den Mitteln die ihm geboten sind.

Der weibliche Körper nimmt sich
zurückhaltend aus,
jedoch zeigt er herausfordernde Verhaltensweisen
durch Gesten die locken sollen,
und es greift, es greift –,
denn der männliche Körper zeigt Signale,
dass die gesendeten Gesten angekommen,
ihm begreiflich sind.
Er reagiert.
Er zeigt, dass er will,
dass er unmittelbar davor ist,
Tätlichkeiten zu beginnen,
ohne dabei zu denken,
ohne dabei ein Kalkül zu haben.
Er tut einfach.
Und dem weiblichen Körper tut es gut.
So gut, dass er,
der weibliche Körper,
sich weiter öffnet,
wo er doch schon aufgezeigt hat,
dass er zu öffnen sich bereit erklärt
und ein Entgegenkommen in Szene gesetzt hat.

Und nun das:
die Öffnung ist absolut.
Die Öffnung offenbart.
Die Öffnung zeigt dem männlichen Körper
das Intimste des weiblichen Körpers,
fordert ihn auf, sich seinerseits offen zu zeigen
und die Tätlichkeiten an ihrem Körper
nun endlich zu vollziehen,
die er in Aussicht gestellt hat.
Er, der männliche Körper,
ist von der Offenheit die ihm präsentiert wurde,
für einen Moment wie gelähmt.
Er ist überwältigt von dem Eindruck
den er gerade nicht unter Kontrolle bekommt.
Er zeigt körperliche Anzeichen
die eine Überwältigung glaubhaft machen,
die verständliche Lähmungserscheinung wird offenbar.

Der weibliche Körper zeigt seinerseits Verständnis dafür,
obschon seine Erwartungshaltung sich weiter gleich bleibt:
Der männliche soll endlich in Aktion treten –
ganz einerlei in welcher Form
seine Überwältigung sich weiter ausnimmt.
Er hat schließlich eine Art Zusage getan –
durch körperliche Gesten, Gebärden.
Das waren Versprechen.
Und er weiß das,
er weiß das nur zur Genüge
und signalisiert dem weiblichen Körper
seinen guten Willen.
Somit macht er sich wieder bereit –
seiner Überwältigung Herr zu werden,
alle Sinnesorgane zu bündeln,
zum endlichen Vollzug dessen,
was er selbst will,
der männliche Körper –
und was der weibliche weiterhin von ihm erwartet.
Und er schreitet tatsächlich zur Tat,
hat sich und die Überwältigung in den Griff
und auch den weiblichen Körper im Griff
und schon sind beide –
der männliche und der weibliche Körper
in rasender Aktion
und berauschen sich einander
bis zum Ankommen dessen
was beide angestrebt hatten.

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