Sehen
Kunst und Kreativität
Ich glaube, wir sollten mal ein bisschen
über Kunst und Kreativität diskutieren.
Regelmäßig lese ich in Zeitschriften
über Schimpansen, die Bilder malen
und für die Sammler Unsummen bereit sind,
Geld auszugeben.
Gut, das war vor fünf Jahren.
Mittlerweile sind die Schimpansen
durch KI ersetzt
und man wartet darauf,
dass der erste KI-geschriebene Roman
die Bestsellerlisten der New York Times
oder des Spiegels erklimmt.
Und das Ganze wird uns
als phänomenaler Fortschritt verkauft.
Aber die wichtige Frage,
was ist eigentlich Kreativität,
wird nicht gestellt.
Die Frage ist, ob es nur eine inszenierte Nachahmung
statt echter Originalität ist,
denn das setzt ja Kreativität voraus.
In den USA, sagen wir mal,
bekommt ein Schimpanse
einen Pinsel in die Hand gedrückt
und er klatscht die Farbe
auf die Leinwand,
die Forscher sind begeistert
und feiern das als Kunst.
Die Bilder werden für Unsummen verkauft,
Käufer hängen sie in die Wohnzimmer
und Experten verfassen Texte
über die angebliche Tiefe dieser Werke.
Das Problem ist, ohne die Aufforderung
und die Belohnung der Forscher
würde der Schimpanse nie
zum Pinsel greifen.
Er macht das für Futter
und Aufmerksamkeit,
doch das ist nur Dressur,
kein eigener Drang zum Ausdruck.
Oder man sagt zur KI,
schreibe mir ein Gedicht.
Was herauskommt, ist ein sauber formatierter Text
mit einem exzellenten Rhythmus.
Aber wenn man sich mal genau anschaut,
was die KI inhaltlich produziert,
wird es meist sehr dünn.
Plattitüden, denn sie reproduziert,
was sie kennt.
Sie erfindet nicht wirklich
einen neuen Gedanken.
Picasso hat seine blaue Periode
zum Beispiel erschaffen
aus persönlichem Verlust und Armut.
Echte Kunst entsteht
aus eigener Erfahrung.
Sie entsteht aus dem Konflikt,
in dem sich der Künstler befindet,
aus dem inneren Druck,
etwas mitteilen zu müssen.
Kein Affe und auch kein Algorithmus
hat diesen Antrieb.
Wir müssen dem Algorithmus ja erstmal
einen Befehl mitteilen,
dass er ein Gedicht zu schreiben hat.
Würde eine KI von sich aus
uns mit einem Gedicht überraschen,
dann müssten wir die Frage
neu diskutieren.
Auch die komponierten Stücke
im Stil von Mozart,
sie klingen korrekt.
Aber berühren sie wirklich?
Wir werden sicherlich noch manche Hits erleben,
die uns eine KI geschrieben hat.
Aber die große Frage ist die,
kann eine KI auch
die Schicksalssinfonie erschaffen?
Das ist der springende Punkt,
über den wir nachdenken sollten.