Sehen

Liebe ist ein seltsames Ding

Luiz Goldberg

Die Liebe ist ein seltsames Ding. Das manchmal zuschlägt – wie ein unerwarteter Regenschauer, der auf einen herabprasselt, obwohl der Wetterbericht Sonnenschein versprochen hat.

Viele Menschen jagen ihr hinterher, nur um festzustellen, dass sie sich nicht einfangen lässt. Wie man einen Schmetterling in einem Glas festhält. Stattdessen taucht sie auf, wenn man am wenigsten damit rechnet. Zum Beispiel beim Einkaufen im Supermarkt: Der Blick wandert über den Obststand hinweg – und alles ist verändert. Weil man eine Person gesehen hat, die in einem etwas auslöst, was vorher noch nicht da war. Oder man ist auf einer langweiligen Party, und mit einem Mal wird sie spannend, weil jemand den Raum betritt und die Luft zu vibrieren beginnt.

Doch die Liebe kann auch täuschen. Man denkt: „Oh, das ist jetzt mal etwas Echtes, etwas Bleibendes.“ Und dann zerfällt sie wie ein Kartenhaus, das umgepustet wurde. Wie oft haben sich Paare versprochen, für immer zusammenzubleiben, nur um später festzustellen, dass „für immer“ nur ein paar Monate bedeutete? Die Enttäuschung schmerzt – mehr als Muskelkater nach dem Sport. Man schwört sich, nie wieder zu lieben, und dann probiert man es doch erneut. Denn der Mensch ist optimistisch. Oder vielleicht einfach nur dumm. Wer weiß das schon?

Manchmal kommt die Liebe auch spät. Das Leben hat schon seine Bahnen gezogen. Man ist nicht mehr der Jüngste, und dann trifft man die Person, die perfekt zu einem passt. Aber man ist schon verheiratet, hat Kinder oder ist einfach nur zu müde von all den Fehlschlägen davor. Dann sitzt man da und fragt sich: Warum jetzt? Warum nicht früher?

Aber Beschwerden nützen nichts. Liebe hält sich nicht an Zeitpläne. Sie ignoriert Kalender und Uhrzeiten. Sie kommt einfach unangemeldet – und geht manchmal genauso abrupt.

Und dann gibt es die Fälle, wo Liebe durch den Magen geht. Ja, ich meine das alte Sprichwort. Ein gemeinsames Essen, ein geteilter Wein, und plötzlich blüht etwas auf, was vorher nicht da war. Aber wehe, wenn es schiefgeht! Ein schlechtes Date mit ungenießbarem Essen kann die ganze Sache versauen. Oder denk an jene, die in ihrer Liebe blind sind: Sie sehen alles verschwommen, weil sie idealisieren, was gar nicht da ist. Am Ende wachen sie auf und verfluchen sich selbst.

Andere klammern sich an die Liebe. Da wird betrogen; Treue wird versprochen, aber es gibt heimliche Affären. Die Lügen stapeln sich, und die Betrogenen hoffen, dass es aufhört – dass die Liebe bleibt. Trotz alledem verfluchen sie den Partner täglich und beten zugleich, dass er zurückkommt.

Aber die Liebe lässt sich nicht zwingen. Kein Zauberspruch, kein Trick bringt sie herbei. Wenn sie nicht will, dann will sie nicht. Sie ist unabhängig, wild und ungezähmt. Und so harren diese Leute zwischen Hoffnung und Verzweiflung.

Aber trotzdem: Liebe kommt unverhofft, in den unerwarteten Momenten, bei den ungewöhnlichsten Menschen. Vielleicht nach einer Trennung, wenn man denkt: „Das war’s.“ Und plötzlich steht da jemand, der alles neu macht. Nicht immer. Aber oft genug, um dran zu bleiben. Denn das Leben hat immer noch ein Ass im Ärmel.

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