Sehen

Männertraum

Marcel von Reich-Witz

Ein äußerst freches Gedicht.
Dies,
muss ich tatsächlich sagen,
präsentiert uns hier der Audi.

Und das Gedicht beginnt
mit den Zeilen –
ich muss sagen - ,
mit der Zeile
und den Worten:
„Doch du hast nicht Gott geschaut,
nein!
Es ist 'ne heiße Braut.“

Es ist ja mittlerweile etwas,
was selten geworden ist
in der deutschen Lyrik,
aber hier,
reimt der Autor,
und er reimt etwas Sexuelles,
das werden Sie auch gleich sehen.

Denn er kommt in den nächsten Strophen:
„Denn zu diesen zarten Glocken,
die dich aus dem Traume locken,
gehört ein saugend blonder Schopf,
der an deinem prallen Pfropf
mit der Zunge rumhantiert.“

Das, was der Autor hier beschreibt,
ist klassisch das,
was man Fellatio nennt.

Und Sie sehen, der Autor wacht also auf,
während die Angebetete,
die ihm nicht nur eine heiße Braut ist,
sondern auch jemand,
genüsslich an seinem Gemächte rumlutscht
und ihn so aus dem Schlaf reißt.

Und es gibt schlimmere Dinge,
aufzuwachen.

Und ich glaube, jeder Mann hat einmal davon geträumt,
dass sich die Freundin
an seinem eigenen Genital vergreift.

Und sich dran vergnügt.

Alle wissen, ist das für die meisten eben doch nur ein Traum.

Und er geht nicht in Erfüllung.

Wie gehen die Zeilen weiter?
„Bis du endlich auch kapiert,
deine göttlich Offenbarung
dient ja nur als schnelle Nahrung.“

Und hier kommt der freche Kick,
der Sprung ins –
na, absurder kann man sagen,
vielleicht sollte man sagen,
ins Gastronomische.

Das heißt, sie möchten an den Saft des Mannes.

Sperma kommt nicht aus Vergnügen,
nein,
sondern um es herunterzuschlucken
und sozusagen einen kleinen,
morgendlichen Eiweiß-
jeden Mannes,
dass er so geweckt wird.

Natürlich keine Frau auf der Welt
holt sich ihren Proteinshake
aus dem Hodensack ihres Freundes
oder ihres Gatten.

Das heißt, der Autor hat hier
eine kleine erotische Spielerei gemacht,
die Sehnsüchte und Gelüste
witzig aufs Korn nimmt
und das auch noch gereimt.

Ja, das kommt in der deutschen Literatur
doch eher selten vor.

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