Sehen
Martha die Magierin
So viele Unglaublichkeiten.
Die als wahr,
gegeben und glaubhaft
hingenommen werden.
Wie der große Mond etwa,
der, wenn er voll ist,
so hell strahlt,
daß er des Nachts
ein derartiges Licht sendet
und spendet,
daß wir hinnehmen,
wie tags zuvor
das Sonnenlicht.
Wie kann eine so große
und träge Masse von Materie,
die kein eigenes Licht erzeugen kann,
ein derartig starkes Licht spenden,
allein durch Reflexion
des Sonnenlichtes?
Na klar, reflektiertes Sonnenlicht.
Unglaublich.
Wie Marthas Eigenheiten –
hinter denen ich nicht komme.
Ihren tollwütigen Erfolg über mich –,
wie sie mich stigmatisiert
wenn sie mich nur berührt –,
ihr erkennender Blick
und ihre Gewissheit
mich in Bann zu halten.
Sie blickt auf mich hinunter
als wären ihr Flügel gewachsen,
um sich über mein Mittelmaß
empor zu heben
und auf mich zu spucken
wenn es ihr gefällt.
Und dann, wenn sie mir den Stoff
ihrer Nylonstrümpfe
vor die Nase reibt,
und aus Gewissheit
ich bin davon hypnotisch drauf fixiert,
und mir die Maschen dieses Stoffes
wie eine andere Haut sind,
ja, mehr als eine Haut,
tiefer wirkend
und tiefer sich anfühlend…!
Dann weiß sie, daß sie mich hat,
in ihren Händen –;
und wenn sich dann noch
ihre Brüste sich mir darreichen,
auf ihren Händen getragen,
auf mein Gesicht zu,
dann weckt sie in mir manchmal
das Verlangen sie zu töten…
Oh ja, ich bin der Willkür
ihrer Kränkungen ausgeliefert.
Ihre übertriebene Weiblichkeit
zeigt mir ihre herausfordernde Macht –
unschön –,
unwiederbringlich,
unumkehrbar.
Eine Unglaublichkeit.
Die ich hinnehme
ohne zu revoltieren.
Martha ist zum sterben schön.
Martha ist eine Blutschande,
eine Methaphysikerin des Sexus.
Sie ist alles was keine andere Frau ist.
Sie ist eine Magierin,
eine Seherin,
die sieht was ich bin,
was in mir vorgeht,
was ich nicht bin.
Sie schafft es aus mir
das zu machen
was ich nicht bin.
Es ist auf Dauer tödlich.
Die Macht ihrer Sexualität über mich
ist grenzenlos.
Auch das ist unglaublich.
Ich habe mich sonst nie
von einer Frau –
derart… nein, noch nie!
Aber für Martha ist es ein Kinderspiel
mich in ihrer hohlen Hand zu halten
und wann immer sie will,
mich darin zu zerquetschen,
mich zu liebkosen,
oder mich fallenzulassen.
Ob ich Martha liebe?
Fragt Martha.
Sie wird sagen
es ist mehr als das.
Eine Unglaublichkeit.