Sehen
Martinas Marke
Ihr Geruch war spezifisch.
Ein Eigengeruch.
So wie sie,
hat niemand gerochen.
Für mich war das ein Duft.
Vielleicht immer ein bisschen
mit Restmolekülen
ihres Lieblingsparfüms vermischt,
das ihr stets anhaftete.
Patschuligeruch dominierte
dieses Parfüm.
Selbst wenn sie von der Dusche kam
und nackt zu mir
ins Bett stieg,
roch ich noch Reste
dieses spezifischen
Martina-Geruchs,
und wenn wir dann fickten,
vermischte sich dieser Martina-Geruch
mit den Gerüchen unserer Tätlichkeiten.
Das war dieser typische
„Nach-dem-Ficken-Geruch“,
der sich zusammensetzte
aus ihrem Muschischleim,
aus Sperma,
unser beider Schweiß –
und eben dem mir so süßen
Martina-Geruch.
Wenn ich mich dann so richtig satt-gefickt fühlte –
ein königliches Gefühl
von Satt-Geficktheit,
dann lagen wir beide
umschlungen auf dem Bett
und fühlten nach.
Ich roch dann immer gerne
ihre Haut,
ihre Brüste,
ihre Haare,
ihren Atem
und ihr Spezielles.
Das waren ihre Achselhöhlen,
ihre Halsbeuge,
ihre Ohren,
ihr Poloch,
und vor allem ihre noch feuchte Muschi.
Und überall dort setzte ich meine Nase an
und roch…
und leckte.
Und war wie betäubt
von diesen Gerüchen.
Und allesamt waren mit Martina-Geruch vermischt!
Ja, er war unverwechselbar!
Ich hatte damals ja
nicht nur mit Martina geschlafen,
und andere junge Frauen
hatten wohl auch ihre spezifischen
Duftnoten an sich,
aber bei Martina war das sowas von
deutlich-eindeutig und intensiv –, ja,
wie bei keiner anderen.
Ich dachte, wenn ich
mit Martina zusammen war,
oft an die Geruchseigenschaften
von Tieren –;
daß Hunde und andere Säuger
einen enormen Geruchssinn haben.
Und ich selbst fühlte mich auch schon so
wie in diese Richtung –
daß mein Geruchssinn sich erweitert,
intensiviert haben mußte.
So sehr war ich auf dem Martina-Geruch-Trip.
Ich habe jedoch nie
mit Martina darüber gesprochen.
Warum weiß ich nicht.
Vielleicht war mir das peinlich?
Aber nein, sie hätte bestimmt gelacht
und dann mich näher berochen.
Einmal war ich zu ihrer Wohnung rüber –
wir hatten jeweils eine eigene Wohnung
in derselben Straße,
und ich hatte ebenso einen Wohnungsschlüssel von ihr,
wie sie von meiner Wohnung.
Sie war nicht daheim,
und so ich ging ich rauf,
schloß die Tür auf
und erkannte,
daß sie es wohl eilig hatte
aus dem Haus zu kommen.
Ihr Bett lag noch ungemacht aufgedeckt.
Ich zog mich nackt aus
und stieg ins Bett,
was mir noch restwarm dünkte.
Doch der Martina-Duft war deutlich
und intensiv vorhanden.
Eindeutig ihre Marke.
Jetzt, nach so vielen Jahren,
weiß ich ihren Geruch noch so deutlich –, daß
wenn ich die Augen schließe,
mich konzentriere –, ich
den markanten Martina-Duft wieder
in der Nase habe.