Sehen
mechanische Zärtlichkeiten
Ich kann es spüren.
Die Finger gleiten sanft über
meinen Rücken.
Doch deine Gedanken schweben in
fernen Welten umher.
Dein Körper ist im Hier,
aber dein Geist ist es
nicht.
Zärtlichkeiten auf Autopilot, lassen
die Berührung zur bloßen Mechanik
verkommen.
Dein Finger kreist nur noch
auf einem winzigen Stück Haut.
Ein monotones Hin und Her,
wie eine Schallplatte, die
einen Sprung hat und nicht
mehr aus ihrer Schleife findet.
Die Wärme, die deine Hand
mir auf dem Rücken einst
versprach, ist ausgekühlt und
ich weiß nicht, ob du
selbst es bemerkst.
Mein Mund bleibt still.
Ich brauche diesen Körperkontakt.
Wenn ich jetzt etwas sage,
würdest du aufhören.
Aber ich vermisse deine Seele
dabei.
Es ist nur 50-Prozent-Glückseligkeit.
Es nagt und genießt.
Und in mir keimt die
Frage.
Was beschäftigt dich?
Sind es Geheimnisse, die
ich nicht wissen darf?
Ein anderer Mann, der mir
ein Konkurrent sein könnte?
Kenne ich ihn oder hast
nur du ihn getroffen?
Fehlt dir etwas, was ich
dir nicht geben kann?
Ist er neu und aufregend?
Etwas, was ich dir nicht
mehr sein kann?
Oder ist es eine alte
Liebe, die noch nachhallt?
Oder tue ich dir Unrecht?
Ist es der Stress des
Tages, der dich andernorts verweilen
lässt?
Ich grübele, wie ich dich
aus diesem Moment bekomme, ohne
den Moment zu zerstören.
Eine fast unlösbare Aufgabe.
Ich spüre, dass in dem
Augenblick, wo es mir gelingt,
die Berührung sofort endet und
du dich umdrehst und zu
schlafen beginnst.
Ich könnte fluchen.
Berührungen sind wie Nahrung oder
Sauerstoff für mich.
Es wie täglich Brot.
Und du gibst mir nur
Krümel.
Zu wenig, um satt zu
machen, zu viel, um ganz
zu verhungern.
Aber das, was niemand begreifen
wird.
Diese Gedanken denke ich nicht
bewusst.
Es ist nur eine Ahnung
und ein Unbehagen tief in
meinem Unterbewusstsein.
Nach außen hin, sehe ich
dich selig an und lobpreise
unsere Beziehung.
Schließlich sind wir ein glückliches
und rundrum zufriedenes Paar.