Sehen
Mit Romantik fing es an
In vor orgasmischen Zeiten glaubte ich,
Romantik sei normal.
Meine beglückten verliebten Gefühle
für ein männliches Wesen,
das mit auserkoren hatte,
um mir nahe zu kommen.
Das fing ganz schüchtern an.
In unserem Jugendclub bat mich
eines sonntags,
ich war 14 Jahre alt,
ein gewisser Eddie vor die Tür.
Der Club befand sich
in der ehemaligen Grundschule,
vor der Clubtür befanden sich
die kalten Treppenstufen,
das ebensolche eiserne Geländer,
und Fensterscheiben,
die in den vielen Jahren
der Nicht-Benutzung
völlig verschmutzt waren.
Eddie führte mich eine der kalten Treppen hinauf,
an der Fensterbank blieben wir stehen.
„Willst du mit mir gehen?“
fragte er.
Vorlaut wie ich war,
fragte ich „wohin?“
und er hauchte „wohin du willst“.
Ich sagte Ja.
Wir gingen dann wieder hinein
und setzten uns nebeneinander
auf die schmale Bank,
die die kleine Tanzfläche umrundete.
Wir waren jetzt zusammen.
Eddie holte mich jetzt
jeden Montag Abend
vom Turnen ab.
Das Turnen fand in der neuen Schule statt,
hoch oben auf dem Berg des Dorfes.
Die Turnhalle hatte
auf einer Seite ausschließlich Glas,
so dass wir Mädchen,
die drinnen Gymnastik machten,
in Festbeleuchtung
für die Jungs des Dorfes
zu sehen waren.
Wenn ich raus kam, war Eddie da.
Er nahm meine Hand und wir spazierten
den Berg hinunter.
Etwa auf Höhe der Baumschule
blieb er jedes Mal stehen,
im Dunkeln.
Und wollte mich küssen.
Doch ich konnte mich nicht überwinden,
drehte jedes Mal den Kopf weg.
Der Gedanke an seine feuchte Zunge
in meinem Mund
war einfach zu schrecklich.
Ich weiß nicht mehr,
wie viele Male Eddie es ertrug,
doch eines sonntags teilte er mir mit,
dass unsere Beziehung zu Ende sei.
Eine komplett kuss-lose Beziehung.
„Hast du dich verliebt?“
fragte ich,
doch er sagte nichts dazu.
Ich weiß auch nicht mehr,
ob und wen er danach küsste.
Ich selbst war erleichtert,
dass mir die Spaziergänge im Dunkeln
erspart blieben.
Händchen halten, nebeneinander sitzen,
Kuss-Versuche.
Einen Freund haben.
Romantische Glücksgefühle.
Nur das mit dem feuchten Körperkontakt
fand ich.
Ich hatte auch nicht vor,
so etwas freiwillig zu tun.
Zum Glück kam Gunnar.
Eines Donnerstag Abends kam ich
zum Jugendclub.
Dort war niemand außer Gunnar.
Wir waren stundenlang dort
und Gunnar wollte mich küssen.
Ich drehte mich weg,
er versuchte es wieder und wieder,
ich hatte dieses aufgeregte Bauchkribbeln,
das sich alles andere als romantisch anfühlte.
Letztendlich hat er mich gezwungen,
Kuss-vergewaltigt
mit Hilfe seiner körperlichen Stärke
und ich war so glücklich.
Im Halbdunkel des Jugendclubs
erlebte ich endlich,
dass die Feuchtigkeit doch nicht eklig ist.
Im Gegenteil.
Der unromantische Abend
blieb einzigartig.
Wir kamen uns nie wieder nahe,
ich war auch nicht in ihn verliebt,
hatte keinerlei Sehnsucht.
Ich war einfach nur happy.
Seitdem bevorzuge ich Männer,
die mich unromantisch
zu Unsäglichem nötigen.