Sehen

Mixed Emotions

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Sie liegt im Bett
mit dem Gesicht zum Fenster
auf ihre rechte Seite
und ihre Gefühle spielen
Fangen, Verstecken
und Blindekuh.

Sie liegt mit ihm schon
eine gute Viertelstunde
im Bett.
Beide haben sich bereits
mit einem Kuß
„Gute Nacht“ gesagt.

Er liegt ganz dicht bei ihr
gekuschelt
auch auf seine rechte Seite,
seine Knie
in ihre Kniekehlen,
und seine Gefühle sind einfach nur
auf eines ausgerichtet:
Sex mit ihr.
Ohne weitere Gedanken.

Beide liegen nackt,
weil sie beide immer nackt schlafen.

Wenn es nach ihm ginge,
würde er selbstverständlich
jeden Abend vorm Einschlafen
mit ihr schlafen.

Das tut ihm ebenso gut
wie ihr.
So denkt er.

Oft ist das auch der Fall,
aber nicht selten,
eben auch nicht –;
und so kommt es immer wieder
zu Situationen,
die von gemischten Gefühlen beider
geprägt sind.

Sie schläft auch gern mit ihm,
und mag es auch vorm Einschlafen,
aber nicht so oft wie er.

Es würde ihr zwei, vielleicht dreimal die Woche reichen.

Sie kennt die jetzige Situation
zur Genüge.
Ihre Gefühle sind dann jedesmal
ambivalent.

Sie ist hin und her,
zwischen ihm zuliebe einwilligen –
und oft mag sie es komischerweise
dann auch–
und –, ihm zu signalisieren,
daß sie heute nicht möchte.

Hm… Jetzt fühlt sie seine linke Hand
an ihrem Busen,
den er sanft und zärtlich
streichelt.

Gleichzeitig reibt er
sein wachsendes Glied
an ihren Arsch
und drückt dagegen.

Soll ich mich wie neulich,
einfach tief schlafend stellen?

Dann kann er machen
wie er denkt.

Finde ich zwar nicht so toll,
aber es ist besser,
als wie neulich der Zoff,
wobei er gekränkt-ärgerlich aufsteht,
um auf dem Sofa zu schlafen –
mit gehörigen üblen Sprüchen,
vonwegen mangelndes Verständnis
seiner Männlichkeit
und den dazugehörigen Bedürfnissen
gegenüber.

Und dann hängt unser Haussegen auch erstmal
tagelang windschief,
und ich fühl mich beschissen.

Andererseits ist er,
wenn ich mich einverstanden erkläre
und aktiv bei der Sache bleibe,
erstmal supersüß und lieb,
und am anderen Tag
so einfühlend gut zu mir,
wie ich es mag.

Und bei der Schlafend-Variante…
ja, ich glaube,
die ist für heute
am ehesten angesagt –,
sagt danach erstmal keiner von uns beiden
ein Piep.

Ich bin ja eh „im Tiefschlaf“ –
und er will mich ja keinesfalls
„wecken“…

Sie macht jetzt ein paar
tiefe Atemzüge –
das Signal,
daß sie schon längst schläft,
und er betätigt sich zärtlich
an ihrem Körper.

Er liebt sie, er liebt sie über alles.

Genauso wie sie ihn liebt –
über alles.

Doch dieses gemeinsame Dilemma
bringt beide immer wieder
in ein separates Dilemma.

Er fragt sich jedes Mal,
ob es nicht falsch von ihm ist,
so zu verfahren,
und das sind seine gemischten Gefühle,
doch sein männlicher Trieb ist einfach zu gewaltig,
zu fordernd,
als daß er einfach so daliegen könnte,
um sich nur selbst zu befriedigen.

Das geht meistens auch –
ja, irgendwie.

Aber manchmal – so wie heute –
eben nicht.
Gar nicht!

Er küßt ihr zärtlich
auf den Rücken
und in den Nacken,
als er es geschafft hat,
zärtlich in sie einzudringen….

Er wird dann auch immer
schnell fertig…

„Verzeih meine Liebe –
hab ein wenig Verständnis –,
ich würde es tun.
Ja, ich würde das unbedingt
für dich tun!
Gerne tun.
Aus Liebe zu Dir!“

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