Sehen

morgendliche Impressionen

Gernot Schwarm

Der Morgenlichtstrahl kroch durch die Jalousie
und malte Streifen auf die zerwühlten Laken.

Ich lag da,
starrte auf die Decke,
wo Staubflocken in der Luft tanzten.

Der Körper neben mir regte sich nicht,
nur die Brust hob und senkte sich
in ruhigem Rhythmus.

Atmung gleichmäßig, warm,
streifte meine Haut wie ein sanfter Windhauch.

Finger berührten den Arm,
glitten über die feinen Härchen,
die sich leicht aufrichteten.

Keine Reaktion,
nur tiefer Schlaf.

Augen geschlossen,
Wimpern warfen Schatten auf die Wangen.

Haar zerzaust,
fiel in Strähnen über das Kissen,
roch nach Shampoo und Nacht.

Der Duft hing in der Luft,
gemischt mit Schweiß von der Nacht,
moschusartig und vertraut.

Ich drehte mich um,
das Bett knarrte leise unter meinem Gewicht.

Der Wecker piepste leise,
ein digitales Summen aus dem Nachttisch.

Noch Zeit, viel Zeit.

Hand glitt über die Hüfte,
spürte die Kurve,
glatt und weich unter der Decke.

Kein Zucken,
nur Entspannung.

Ich drückte fester,
Finger gruben sich in die Haut,
hinterließen leichte Abdrücke.

Immer noch nichts,
der Traum hielt fest.

Lippen berührten die Schulter,
schmeckten salzig, warm.

Der Puls pochte schwach unter der Oberfläche.

Plötzlich ein Seufzen,
tief aus der Kehle.

Augenlider flatterten,
öffneten sich langsam,
braune Iris traf meine.

Wachwerden,
ein Lächeln umspielte die Lippen.

Kein Wort,
nur Blick.

Hand ergriff meine,
Finger verschränkten sich fest,
Nägel gruben sich ein.

Aufstehen,
Füße auf kalten Boden.

Dusche laufen lassen,
Wasser prasselte heiß.

Gemeinsam darunter,
Tropfen perlten über Haut.

Seife schäumte,
Hände glitten über Rücken, Brüste, Schenkel.

Berührungen wurden intensiver,
glitschig, rutschig,
Seufzer mischten sich mit Dampf.

Kaffee kochte,
duftete stark durch die Küche.

Brot toastete, knusprig,
Butter schmolz darauf.

Draußen Verkehrslärm, Hupen, ferne Sirenen.

Planen den Tag, Stimmen leise.

Spaziergang im Park,
Blätter raschelten unter Schuhen.

Einkaufen,
Tüten raschelten,
Lachen über Kleinigkeiten.

Abends essen gehen,
Kerzen flackerten,
Wein rot im Glas.

Einfach so,
kein Drama,
nur Nähe.

Zurück im Bett,
Laken frisch.

Wieder der Körper,
Haut an Haut.

Atmung synchron,
Herzschläge im Takt.

Morgen wieder dasselbe,
oder nicht,
aber jetzt zählte der Moment.

Hand in Hand einschlafen,
Finger locker verschränkt.

Der Kreislauf drehte sich weiter,
unendlich.

Der Wecker piepste erneut,
Lichtstreifen wanderten.

Wieder der Blick, intensiv.

Der Körper, warm und einladend.

Die Wärme, die alles umhüllte.

Und so ging es dahin,
Tag für Tag.

Bis einer aufwachte
und der andere nicht mehr da war.

Aber das war später,
viel später.

Jetzt noch nicht,
nur dieser Augenblick.

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